Glasflaschenproduktion; Rechte: istockphoto

Dichtung und Wahrheit  

„Wenn ich Pfand zahle, schone ich Umwelt und Klima“

Ob Glas- oder Plastikflasche spielt gar keine Rolle. Hauptsache, es sind Pfandflaschen – denken viele Verbraucher. Der ein oder andere mag ein schlechtes Gewissen haben, wenn er den schweren Kasten mit Glasflaschen stehen lässt und lieber zu PET greift. Zu Recht? Welche Bedeutung hat die Verpackung beim Sprudel für den Klimaschutz wirklich?

Um festzustellen, wie stark ein Produkt das Klima mit dem Treibhausgas CO2 belastet, wird der Energieverbrauch des gesamten „Lebenszyklus“ untersucht - von der Produktion über den Transport und die Frage der Weiterverwendbarkeit. Nur so können verschiedene Produkte wirklich miteinander verglichen werden.
Bei der Herstellung hat der Getränkekarton die Nase vorn - dank seines überall verfügbaren und nachwachsenden Rohstoffs Holz. Eigenschaften, die dem Erdöl, Grundlage für PET-Flaschen, fehlen. Die lassen sich allerdings energiesparender produzieren und reinigen als Glasflaschen. Glasflaschen wiederum haben einen anderen Vorteil: sie können bis zu 50 Mal befüllt werden und damit doppelt so oft wie die Plastik-Konkurrenten. Getränkekartons zum Vergleich heranzuziehen, ist hier wenig hilfreich. Denn wie sie letztlich entsorgt werden, konnte bisher noch nicht verlässlich dokumentiert werden.

Lange Wege für die Durstlöscher

PET-Flaschen sind sehr viel leichter als Glasflaschen und das spart Sprit. Entscheidend ist aber die Distanz, die eine Getränkeverpackung vom Ort der Abfüllung bis zum Kunden nach Hause zurücklegt. Je weniger Kilometer gefahren werden, desto weniger wird die Umwelt belastet. Hier punktet Mehrweg vor Einweg: Laut einer Untersuchung des Heidelberger Ifeu-Instituts ist eine Mehrwegflasche durchschnittlich 260 km bis zum Kunden unterwegs. [1] Die PET-Einwegflasche dagegen legt fast doppelt so viel Kilometer zurück, weil es für sie nur wenige Großabfüllstationen in Deutschland gibt. Dagegen können die Mehrweg-Perlflaschen an 181 Standorten neu befüllt werden. Verbraucher sollten auf jeden Fall darauf achten, dass sie Mineralwasser in PET-Mehrweg- und Glas-Mehrwegflaschen aus der Region kaufen.

Umweltsünder PET-Einwegflasche

Ob Sprudel vom Discounter oder auch Marken-Getränke - die PET-Einwegflasche steht beim Kunden hoch im Kurs. Aber: Während ihres kurzen Lebens verbraucht die PET-Einwegflasche mit 1,5-Liter etwa doppelt so viel CO2 wie eine PET-Mehrwegflasche mit einem Liter Fassungsvermögen.

Zwar werden auch Einwegflaschen recycelt. Allerdings nicht immer, um neue Flaschen herzustellen. Vielmehr wird das Material häufig nach Fernost verschickt und dort zum Beispiel für die Herstellung von Fleece-Pullovern verwendet. Zum Teil werden aber PET-Einwegflaschen wieder neue PET-Einwegflaschen. Jede neue Produktion von PET-Flaschen aber kostet Energie und belastet das Klima.

Irreführend für die Kunden

Fatal für die Verbraucher: Ob es sich bei der Plastikflasche um ein Mehrweg- oder das umweltschädlichere Einwegprodukt handelt, ist zunächst kaum zu erkennen. Pfand muss nämlich bei beiden gezahlt werden. Um welche Art Flasche es sich handelt, verrät aber der Flaschenaufkleber und die Pfandhöhe. Auch die Politik hat das Problem erkannt und im ersten Halbjahr 2009 den Vorschlag für eine Verordnung zur Kennzeichnung von Einweg- und Mehrwegpfandflaschen vorgelegt.

Klimahelden ohne Last

Laut einer Untersuchung des Deutschen Verpackungsinstituts weist die PET-Einwegflasche mit 122 Kilogramm pro 1.000 Liter die höchste CO2-Belastung auf. Der Getränkekarton belastet die Umwelt lediglich mit 81 Kilogramm, dicht gefolgt von der Glasflasche mit 72 Kilogramm. Auf dem Siegertreppchen steht also die PET-Mehrwegflasche. Sie belastet die Umwelt während ihres Lebenszyklus mit nur 62 Kilogramm CO2 pro 1.000 Liter. Die PET-Mehrwegflasche ist also nicht nur leichter nach Hause zu tragen, sondern auch noch am klimafreundlichsten.

Wasser, das nach Wasser schmeckt

Auch aus Geschmacksgründen sollte man PET-Einwegflaschen möglichst stehen lassen. Denn sie können in geringen Mengen einen Stoff namens Acetaldehyd enthalten. Der ist zwar in kleinen Mengen nicht gefährlich, verfälscht aber den klaren Wassergeschmack und wurde bei Tests in Einwegflaschen häufig entdeckt. [2] PET-Mehrweg-Flaschen hingegen  haben eine bessere Qualität und geben deshalb kein oder nur ganz wenig Acetaldehyd an den Inhalt ab.
Übrigens: Vollkommen unbedenklich in jeglicher Hinsicht ist unser Leitungswasser - gesund [3], günstig und der klimaverträglichste Durstlöscher überhaupt!

Tabelle der CO2-Belastungen verschiedener Getränkeverpackungen

Stand: 14.08.2009

Seite empfehlen

In Ihrer Nähe

mehr ...

Kurztipps

Obst und Gemüse, Rechte: iStock
Mehr Obst und Gemüse Fünf Portionen Gemüse und Obst am Tag: Die goldene Regel für eine gesunde Ernährung ist auch fürs Klima gut. Denn pflanzliche Lebensmittel belasten die Atmosphäre in der Regel weniger mit Treibhausgasen als tierische.
Kühlschrank auf Weldweg, Rechte: iStock
Energiefresser entsorgen Ersetzen Sie Ihren alten Herd oder Kühlschrank durch ein energiesparendes Gerät. Fast die Hälfte der ernährungsbedingten Treibhausgasemissionen wird bei der Lagerung und Zubereitung der Lebensmittel verursacht.
Standby, Rechte: iStock
Auf Standby steht keiner mehr Standby heißt nicht immer standby. Manchmal gehen Geräte auch in den Sleep-, Eco- oder Energiesparmodus. So oder so: Die Geräte bleiben abrufbereit und verbrauchen Strom. Schalten Sie die Geräte lieber ganz ab.
Flugzeug am Himmel; Rechte: cossac/pixelio
Was fliegt denn da? Von allen Lebensmitteln verursacht Flugware am meisten CO2. Der Flugtransport von einem Kilogramm Fisch oder Obst aus Südafrika zum Beispiel verursacht elf Kilogramm CO2. Essen Sie also lieber Zuchtfisch oder Meeresfisch aus nachhaltiger Produktion, der ein MSC-Siegel trägt und saisonales Obst, möglichst aus der Region.
Thermometer, Rechte: iStock
Die richtige Temperatur finden Im Winter nur ein T-Shirt in der überheizten Wohnung zu tragen oder selten genutzte Räume auf 20 Grad zu heizen, schadet dem Klima und kostet viel Geld. Jeder Grad Celsius weniger senkt den Energieverbrauch um rund sechs Prozent.
Bierflaschen, Rechte: iStock
Mehrweg ist der richtige Weg Mehrwegverpackungen haben in der Umwelt- und Klimabilanz klar die Nase vorn. Lassen Sie Produkte mit aufwändiger oder überflüssiger Verpackung liegen und schicken Sie damit an Hersteller und Handel eine Botschaft für die Zukunft.
Hand an der Gangschaltung; Rechte: sparkie/pixelio
Wer schnell schaltet, spart Der erste Gang ist nur zum Anfahren. Schalten Sie rasch in den zweiten und spätestens bei 2.000 Umdrehungen pro Minute in den nächsten Gang. Als Faustregel gilt: Bei Tempo 30 im dritten, 40 im vierten und ab 50 im höchsten Gang fahren.
Papierstapel, Rechte: iStock
Vorder- und Rückseite nutzen Auch beim Drucken können Sie viel sparen und das Klima schonen. Bedrucken Sie Ihr Papier möglichst beidseitig, am besten von vornherein durch doppelseitigen Druck. Für viele Geräte ist das kein Problem.
Wasserhahn, Rechte: istock
Mit einem Griff Wasser sparen Eine Menge Wasser fließt bei der Suche nach der richtigen Wassertemperatur ungenutzt in den Abfluss. Die Lösung heißt Einhandmischer. Der sorgt dafür, dass die gewünschte Temperatur schnell einzustellen ist.
Frau auf Fahrrad, Rechte: VZBV
Für Kurzstrecken das Auto stehen lassen Wussten Sie, dass ein kalter Motor auf den ersten Kilometern bis zu 35 Liter Sprit pro 100 Kilometer braucht und stark verschleißt? Nehmen Sie für Kurzstrecken doch öfter mal das Rad oder gehen Sie zu Fuß - damit tun Sie auch etwas für Ihre Gesundheit.
Sahneherz auf Butterbrot; Rechte: berwis/pixelio
Aber bitte mit Sahne? Je höher der Fettgehalt eines tierischen Lebensmittels, desto schlechter ist dessen Klimabilanz. Ein bewusster, sparsamer Umgang mit Sahne, Butter und fettem Käse schont das Klima – und Ihre Gesundheit.
Papierrollen, Rechte: iStock
Weiße Weste dank Recyclingpapier Recyclingpapier schont Wälder, denn es wird aus Altpapier gemacht. Moderne Recyclingpapiere sind fast so hell wie Neupapier und diesem qualitativ in jeder Hinsicht ebenbürtig. Greifen Sie zu!
Batterien in geöffneter Hand; Rechte: fielperson/pixelio
Teure Kleingeräte Vom Radio bis zum Taschenrechner – Batterien und Akkus sind die teuerste Energieform überhaupt. Stromsparender und damit klimaschonender sind Alternativen mit Netzteil oder Solarbetrieb.
Drehzahlmesser; Rechte: tommyS/pixelio
Niedrigtourig sparsam Auto fahren 2.000 Umdrehungen pro Minute reichen in der Stadt aus. Das senkt den Kraftstoffverbrauch und schont den Motor. Weniger CO2-Ausstoß ist besser fürs Klima, bedeutet weniger Spritkosten und spart Geld.
Fernbedienung für Fernseher: Engel; Rechte: pixelio/Rolf van Melis
Fernseher – große Filme auf großen Schirmen? Die richtige Größe des neuen Fernsehers will gut überlegt sein. Denn einen großen Bildschirm können Sie nur mit ausreichend Abstand genießen. Außerdem lohnt es sich besonders bei Fernsehern, die verschiedenen Modelle hinsichtlich ihres Stromverbrauchs zu vergleichen.
Blumen im Gewächshaus; Rechte: G. Bruske/pixelio
Blumen aus der Region Im Winter muss niemand auf Blumen verzichten. Heimische Gewächshäuser bieten etwa Chrysanthemen, Fresien oder Gerbera an. Noch besser sind Christrosen und Hortensien aus dem Kaltgewächshaus.
Tiefkühlgemüse; Rechte: istockphoto
Kühl auftauen! Lebensmittel aus der Tiefkühltruhe können langsam im Kühlschrank auftauen – ihre Kälte geben sie an die Umgebung ab, und der Kühlschrank braucht weniger Energie zum Kühlen.
Kühlschrank innen, Rechte: iStock
Keine Eiszeit im Kühlschrank Kontrollieren Sie doch einmal die Temperatur Ihres Kühlschranks, am besten mit einem Kühlschrankthermometer. Denn in der Mitte des Gerätes reichen 5 Grad vollkommen aus. Für Gefrierschränke sind -18 Grad optimal.
Töpfe, Rechte: iStock
Clever kochen Für jeden Topf gibt es den passenden Deckel. Der hilft wertvolle Energie zu sparen, die sonst ungenutzt verdampft. Die Herdplatte können Sie schon deutlich vor Ende der Kochzeit abstellen: Die Restwärme reicht aus, um das Essen fertig zu garen.
Pärchen vor Auto; Rechte: vzbv/M. Gloger
Klimabewusster Autokauf! Denken Sie an die Anschaffung eines Neuwagens? Achten Sie darauf, dass er klimaverträglich und sparsam ist. Informationen dazu bietet die VCD Auto-Umweltliste, die Sie kostenfrei in jeder Verbraucherzentrale erhalten.
Schiefertafel Bio, Rechte: iStock
Öfter auf Öko setzen Mit Obst und Gemüse aus ökologischem Anbau sorgen Sie für gutes Klima auf dem Tisch. Beim Anbau fallen weniger Emissionen an, da auf energieintensive, mineralische Stickstoffdünger verzichtet wird. Bei tierischen Produkten ist der Bio-Vorsprung nicht ganz so klar. Grundsätzlich aber gilt: Wer mehr pflanzliche und weniger tierische Lebensmittel isst, tut der eigenen Gesundheit und dem Klima Gutes.
Gemüse aus der Region, Rechte: iStock
Lebensmittel aus der Region Setzen Sie regionale Lebensmittel auf Ihrem Einkaufszettel ganz nach oben. Kurze Transportwege schonen das Klima. Was vor Ort ausreifen konnte, schmeckt besser und hat oft mehr gesunde Inhaltsstoffe. Klimaschutz schmeckt!
Auto im Grünen, Rechte: iStock
Beim Urlaub die Umwelt im Blick Wer weit reist, sollte auch lang bleiben: Faustregel: 100 Kilometer reisen, einen Tag bleiben. Für einen Drei-Tages-Trip sollten Sie also nicht mehr als 300 Kilometer zurücklegen, empfiehlt der Verkehrsclub Deutschland.
Fahrrad mit Gemüse, Rechte: iStock
Vorausschauend einkaufen Eine Speiseplanung für einige Tage im Voraus und eine entsprechende Einkaufsliste helfen Kosten, Zeit und Energie zu sparen. Unnötige Einkaufsfahrten strapazieren die Nerven und belasten das Klima. Gesünder - auch fürs Klima - ist der Einkauf zu Fuß oder per Fahrrad.
Schinken und Wurst, Rechte: iStock
Weniger Fleisch ist mehr Die Produktion tierischer Lebensmittel verursacht deutlich mehr CO2 als die Produktion pflanzlicher Lebensmittel. Verzichten Sie deshalb öfter mal auf Fleisch und Wurst und gönnen sich dafür dann ein besseres Stück.
Wasserkocher, Rechte: iStock
Ein Wasserkocher lohnt sich … … es sei denn, Sie kochen mit einem Gasherd. Ansonsten gilt: Wasser auf dem Herd zu kochen ist pure Energieverschwendung. Erhitzen Sie Wasser lieber mit dem Wasserkocher und messen Sie das Wasser genau ab.
Heizung, Rechte: istock
Die Heizung „in Watte“ packen Besonders hinter Heizungen sind die Wände oft dünn. Wärme geht durch solch schlechte Isolierungen ungenutzt verloren. Wärmedämmung in Form von Platten oder Folien wirkt dem entgegen. Sie sind im Baumarkt erhältlich und ganz einfach anzubringen.
Händewaschen, Rechte: istock
Energiefresser stoppen Häufig fristen kleine Wasserboiler unter Waschbecken oder in Unterschränken im Dauerbetrieb ein energiefressendes Dasein. Ein kleines Vorschaltgerät für um die 30 Euro stoppt den Stromklau.
Windrad; Rechte: P.Kirchhoff/pixelio
Stromanbieter: Sauber wechseln Jeder Deutsche verursacht im Jahr rund zehn Tonnen CO2. Allein durch den Wechsel zu Ökostrom könnte jeder Verbraucher seine jährliche CO2-Bilanz um zehn Prozent senken. Die geringen Mehrkosten lassen sich mit den anderen Klimatipps leicht wieder einsparen.
Holzpellets, Recht: iStock
Klimaneutral heizen mit Holz Beim Verbrennen von Holzpellets entsteht nur so viel CO2 wie der wachsende Baum zuvor der Atmosphäre entzogen hat. Ihr Ofen sollte allerdings den Grenzwert des Blauen Engels für Feinstaubemissionen nicht überschreiten.

alle Tipps im Überblick

Klimalexikon

snippet_lexikon_istock_221.jpg

Warum ist häufig von 2 Grad die Rede, was bedeutet CO2 genau und welche Rolle spielt der Emissionshandel? Antworten auf diese und viele weitere Fragen finden Sie in unserem Klimalexikon

mehr...

Copyright © Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. 2009