Dichtung und Wahrheit
„Wenn ich Pfand zahle, schone ich Umwelt und Klima“
Ob Glas- oder Plastikflasche spielt gar keine Rolle. Hauptsache, es sind Pfandflaschen – denken viele Verbraucher. Der ein oder andere mag ein schlechtes Gewissen haben, wenn er den schweren Kasten mit Glasflaschen stehen lässt und lieber zu PET greift. Zu Recht? Welche Bedeutung hat die Verpackung beim Sprudel für den Klimaschutz wirklich?
Um festzustellen, wie stark ein Produkt das Klima mit dem Treibhausgas CO2 belastet, wird der Energieverbrauch des gesamten „Lebenszyklus“ untersucht - von der Produktion über den Transport und die Frage der Weiterverwendbarkeit. Nur so können verschiedene Produkte wirklich miteinander verglichen werden.
Bei der Herstellung hat der Getränkekarton die Nase vorn - dank seines überall verfügbaren und nachwachsenden Rohstoffs Holz. Eigenschaften, die dem Erdöl, Grundlage für PET-Flaschen, fehlen. Die lassen sich allerdings energiesparender produzieren und reinigen als Glasflaschen. Glasflaschen wiederum haben einen anderen Vorteil: sie können bis zu 50 Mal befüllt werden und damit doppelt so oft wie die Plastik-Konkurrenten. Getränkekartons zum Vergleich heranzuziehen, ist hier wenig hilfreich. Denn wie sie letztlich entsorgt werden, konnte bisher noch nicht verlässlich dokumentiert werden.
Lange Wege für die Durstlöscher
PET-Flaschen sind sehr viel leichter als Glasflaschen und das spart Sprit. Entscheidend ist aber die Distanz, die eine Getränkeverpackung vom Ort der Abfüllung bis zum Kunden nach Hause zurücklegt. Je weniger Kilometer gefahren werden, desto weniger wird die Umwelt belastet. Hier punktet Mehrweg vor Einweg: Laut einer Untersuchung des Heidelberger Ifeu-Instituts ist eine Mehrwegflasche durchschnittlich 260 km bis zum Kunden unterwegs. [1] Die PET-Einwegflasche dagegen legt fast doppelt so viel Kilometer zurück, weil es für sie nur wenige Großabfüllstationen in Deutschland gibt. Dagegen können die Mehrweg-Perlflaschen an 181 Standorten neu befüllt werden. Verbraucher sollten auf jeden Fall darauf achten, dass sie Mineralwasser in PET-Mehrweg- und Glas-Mehrwegflaschen aus der Region kaufen.
Umweltsünder PET-Einwegflasche
Ob Sprudel vom Discounter oder auch Marken-Getränke - die PET-Einwegflasche steht beim Kunden hoch im Kurs. Aber: Während ihres kurzen Lebens verbraucht die PET-Einwegflasche mit 1,5-Liter etwa doppelt so viel CO2 wie eine PET-Mehrwegflasche mit einem Liter Fassungsvermögen.
Zwar werden auch Einwegflaschen recycelt. Allerdings nicht immer, um neue Flaschen herzustellen. Vielmehr wird das Material häufig nach Fernost verschickt und dort zum Beispiel für die Herstellung von Fleece-Pullovern verwendet. Zum Teil werden aber PET-Einwegflaschen wieder neue PET-Einwegflaschen. Jede neue Produktion von PET-Flaschen aber kostet Energie und belastet das Klima.
Irreführend für die Kunden
Fatal für die Verbraucher: Ob es sich bei der Plastikflasche um ein Mehrweg- oder das umweltschädlichere Einwegprodukt handelt, ist zunächst kaum zu erkennen. Pfand muss nämlich bei beiden gezahlt werden. Um welche Art Flasche es sich handelt, verrät aber der Flaschenaufkleber und die Pfandhöhe. Auch die Politik hat das Problem erkannt und im ersten Halbjahr 2009 den Vorschlag für eine Verordnung zur Kennzeichnung von Einweg- und Mehrwegpfandflaschen vorgelegt.
Klimahelden ohne Last
Laut einer Untersuchung des Deutschen Verpackungsinstituts weist die PET-Einwegflasche mit 122 Kilogramm pro 1.000 Liter die höchste CO2-Belastung auf. Der Getränkekarton belastet die Umwelt lediglich mit 81 Kilogramm, dicht gefolgt von der Glasflasche mit 72 Kilogramm. Auf dem Siegertreppchen steht also die PET-Mehrwegflasche. Sie belastet die Umwelt während ihres Lebenszyklus mit nur 62 Kilogramm CO2 pro 1.000 Liter. Die PET-Mehrwegflasche ist also nicht nur leichter nach Hause zu tragen, sondern auch noch am klimafreundlichsten.
Wasser, das nach Wasser schmeckt
Auch aus Geschmacksgründen sollte man PET-Einwegflaschen möglichst stehen lassen. Denn sie können in geringen Mengen einen Stoff namens Acetaldehyd enthalten. Der ist zwar in kleinen Mengen nicht gefährlich, verfälscht aber den klaren Wassergeschmack und wurde bei Tests in Einwegflaschen häufig entdeckt. [2] PET-Mehrweg-Flaschen hingegen haben eine bessere Qualität und geben deshalb kein oder nur ganz wenig Acetaldehyd an den Inhalt ab.
Übrigens: Vollkommen unbedenklich in jeglicher Hinsicht ist unser Leitungswasser - gesund [3], günstig und der klimaverträglichste Durstlöscher überhaupt!
[1] unter GDB - "Kompletter Endbericht Ökobilanz" kann die Studie bestellt werden
[2] Schlechte Noten für Discounter
[3] Umwelt Bundes Amt - Trinkwasser in Deutschland ist gut bis sehr gut
Stand: 14.08.2009
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Weiterführende Links
Ergebnisse des Mineralwasser-Tests der Stiftung Warentest von Juli 2008



