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Dichtung und Wahrheit  

„Klimawandel? Ein bisschen wärmer ist doch cool“

Heiße Tage, laue Nächte und Badevergnügen pur - ein Leben wie am Ballermann auch in Ostfriesland und auf Rügen. Außerdem versprechen ein paar Grad mehr doch weniger Heizkosten. Und reiche Ernten, auch ohne Treibhaus. Feine Aussichten, meinen viele. Da kann doch der Klimawandel gar nicht so schlimm sein, oder?

Durch die Freisetzung von Gasen in den Industriezentren verändert sich das Klima. Das ist heute längst bekannt. Dieser Satz aber stammt aus dem Jahr 1843, formuliert von Alexander von Humboldt. Die erste Berechnung, wie stark eine CO2-Verdopplung das globale Klima aufheizen würde, publizierte dann 1896 ein schwedischer Nobelpreisträger.

In den vergangenen 100 Jahren stieg die Temperatur um 0,8 Grad. Innerhalb der letzten Jahre nahmen die CO2-Emissionen um ein Vielfaches zu. Gelingt es nicht, die Kohlendioxid-Belastungen bis zum Jahr 2050 um 95 Prozent zu reduzieren, wird sich die Erde binnen weniger Jahre im rasanten Tempo weiter erwärmen. Es kann sein, dass wir ein recht ruhiges Jahrzehnt vor uns haben, die Erwärmung danach aber umso schneller abläuft.

Positives

In wirtschaftlicher Hinsicht könnte ein Temperaturanstieg für Deutschland für manche Branchen dennoch Vorteile mit sich bringen. Laut einer Klimaprognose, die das Max-Planck-Institut im Auftrag des Umweltbundesamtes erstellt hat, könnten zum Beispiel profitieren [1]:

  • Die Landwirtschaft
    Wahrscheinlich sind höhere Ernten, vor allem in Norddeutschland, und ertragreichere Weinernten in Süddeutschland.
  • Der Tourismus
    Insbesondere an den Küsten ist ein Boom denkbar.

Weitere Branchen, die zu den Gewinnern der Erderwärmung zählen könnten, listet Deutsche Bank Research auf: [2]

  • Die Bauwirtschaft
    Wenn durch extreme Wetterbedingungen Schäden entstehen, könnte die Bauwirtschaft durch deren Beseitigung und durch vorbeugende Modernisierungen einen Nutzen ziehen.
  • Der Maschinenbau
    Aus der Entwicklung effizienter Klima-, Heizungs-, Bewässerungstechnologie könnte diese Branche großen Nutzen ziehen.
  • Die Elektrotechnik,
    beispielsweise durch die Entwicklung energieeffizienter Geräte.
  • Die Autoindustrie,
    durch die Entwicklung und den Export energieeffizienter Fahrzeuge.
  • Erzeuger alternativer Energien
    Sie profitieren von staatlichen Förderprogrammen gegen den Klimawandel und können effiziente Energietechnologien erforschen.

Negatives

Verbesserte Freizeitbedingungen und wirtschaftliche Power sind aber nur eine Seite der Medaille. Die Kehrseite lässt Schlimmes befürchten - für Mensch und Tier, für Flora und Fauna. Für Süddeutschland mehr als für Norddeutschland, für Südeuropa mehr als für  Nordeuropa. Die Auswirkungen werden aber vor allem die Regionen der Erde zu spüren bekommen, die schon heute mit extremen Wetterbedingungen klarkommen müssen. Nur einige Beispiele dafür, was ein paar Grad mehr anrichten können:

  • Hunger, Dürrezeiten und Wasserknappheit
    Am stärksten davon betroffen ist Afrika. [3] Südeuropa wird noch mehr als heute unter heißen Sommern und Wasserknappheit leiden. 
  • Niedrigwasser im Sommer
    Auch in Deutschland nimmt das Risiko zu, dass Flüsse im Sommer weniger Wasser führen. Betroffen davon ist unter anderem der Energiesektor, der auf ausreichend Flusswasser für Kühlzwecke angewiesen ist. [4]
  • Überschwemmungen und Hochwasser im Winter
    Das Max-Plank-Institut rechnet zukünftig mit 30 Prozent mehr Niederschlägen in deutschen Wintern.
  • Sturmfluten
    Höherer Meeresspiegel bedeutet deutlich höher auflaufende Sturmfluten und steigende Gefahr für küstennahe Gebiete.
  • Exotische Infektionskrankheiten breiten sich aus
    Mücken beispielsweise, die sich bislang nur in eng umgrenzten Gebieten Afrikas und Asiens aufhielten und dort Krankheiten wie Malaria übertragen, könnten sich künftig auch im wärmer gewordenen Europa wohlfühlen. [5]
  • Ökosysteme verändern sich oder verschwinden
    Besonders betroffen vom Klimawandel sind Systeme wie die Tundra, Mangroven oder Korallenriffe. [6]
  • Pflanzensterben
    Jede fünfte Pflanzenart in Deutschland könnte bis zum Jahr 2080 Teile ihres heutigen Verbreitungsgebietes verlieren. [7]

Alles andere als cool

Der Klimawandel ist bereits voll im Gange und fordert schon jetzt zahlreiche Opfer. So lagen die fünf wärmsten Jahre seit Beginn der Klimaaufzeichnungen 1850 alle im letzten Jahrzehnt. [8] Durch die extreme Hitze starben im Sommer 2003 in Deutschland 7.000, europaweit bis zu 70.000 Menschen. Jedes Jahr sterben einer Studie der Organisation Global Humanitarian Forum zufolge weltweit 300.000 Menschen durch den Klimawandel. Mehr als 300 Millionen Menschen leiden unter Wasserknappheit, Missernten und Krankheiten in Folge der Erderwärmung. [9]

Fazit

Die globale Erwärmung bringt nicht wärmeres Wetter, sondern Wetterchaos und zunehmende Starkwetterereignisse. Es bleibt offen, welche Arten den wärmeren Temperaturen und den eindringenden Arten standhalten oder erfolgreich weiterwandern können und welche aussterben. Schon jetzt gehen die sonnigeren Tage an der Ostsee mit mehr Quallen und Algen einher. Im Angesicht der heutigen und kommenden Opfer des Klimawandels ist es geradezu zynisch, die sicherlich existierenden Gewinner des Klimawandels diesen gegenüberzustellen. Vor allem, wenn dies dazu missbraucht wird, einschneidenden Klimaschutz zu behindern.

Stand: 14.08.2009

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Weiterführende Links

Folgen der Erderwärmung Zusammenfassung von Greenpeace Klimawandel in Deutschland Modelle des Max-Planck-Instituts für Meteorologie IPCC-Berichte Deutschsprachige Kurzfassungen auf der Website des Bundesumweltministeriums Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung Interdisziplinär ausgerichtetes Klima-Institut Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH Forschungsprojekte zur nachhaltigen, zukunftsfähigen Entwicklung Deutsches Klimarechenzentrum Rechenzentrum für Klima-Modelle und Simulationen Goddard Space Flight Center Satellitenbilder und Animationen der NASA zum Klimawandel, englischsprachig Germanwatch

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Händewaschen, Rechte: istock
Energiefresser stoppen Häufig fristen kleine Wasserboiler unter Waschbecken oder in Unterschränken im Dauerbetrieb ein energiefressendes Dasein. Ein kleines Vorschaltgerät für um die 30 Euro stoppt den Stromklau.
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