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Dichtung und Wahrheit  

„Mein Auto tut der Umwelt gar nichts, das steht die meiste Zeit nur rum“

Man riecht es, man sieht es: Autos verpesten die Umwelt - wenn sie fahren. Stehen sie still und unbewegt auf dem Parkplatz, mögen sie weniger schön aussehen als Grünflächen, aber zumindest kommt nichts Schlechtes aus dem Auspuff. Können zumindest Wenigfahrer ein reines „Klimagewissen“ haben, da ihr Auto doch kaum Gelegenheit hat, CO2 auszustoßen?

Anfang 2009 zählte das Kraftfahrtbundesamt sage und schreibe 41,3 Millionen Pkw, die auf Deutschlands Straßen zugelassen sind.[1] Laut Befragungen des Statistischen Bundesamtes legen die meisten Autofahrer bis zu 20.000 Kilometer im Jahr damit zurück.[2]  So kommen allein durchs Autofahren und nur in Deutschland mehr als 85 Millionen Tonnen Kohlendioxid zusammen. Ein Gas, das zwar ungiftig, geruch- und farblos, zugleich aber der Hauptverursacher des Klimawandels ist.

Fahrende Autos

In Deutschland werden die meisten Wege mit dem Pkw zurückgelegt. Anders als beispielsweise in den Niederlanden, wo immerhin 40 Prozent aller Strecken mit dem Rad gefahren werden.[3]  Effiziente Motoren machen es heute zwar möglich, dass Autos weniger Benzin oder Diesel verbrauchen. Außerdem werden bei der Produktion High-Tech-Materialien verwendet, die das Gewicht reduzieren. Dies wird aber mehr als zunichte gemacht durch die steigende Motorisierung (mehr PS) und die immer schwereren Fahrzeuge.

Insbesondere die vielen Extras wie Klimaanlage, Fensterheber oder Sitzheizung sorgten dafür, dass in den letzten 30 Jahren Fahrzeuge zwischen 30 und 50 Prozent an Gewicht zugelegt haben. Mehr Gewicht aber bedeutet auch mehr Verbrauch und mehr CO2-Ausstoß. Dabei ist die Hälfte aller Autofahrten kürzer als sechs Kilometer.[4]  Insbesondere auf den Kurzstrecken aber verbraucht ein Auto vergleichsweise viel Energie, da der kalte Motor auf den ersten hundert Metern bis zu 35 Liter pro 100 Kilometer verbraucht.[5]

Klimakiller Wartezeiten

Keine Frage: Fahrende Autos verbrauchen Energie und belasten das Klima. Doch nicht nur fahrende Autos produzieren Treibhausgase. Auch bei Wartezeiten vor Ampeln oder Bahnübergängen wird CO2 produziert. Oder aber in Staus. Laut ADAC verbringt jeder Autofahrer 60 Stunden im Jahr im Stau. Und Verkehrsforscher Frank Schmid errechnete: Pro Jahr gibt es auf deutschen Autobahnen 160.000 Staus, wobei 288 Millionen Liter Sprit vergeudet werden. Und das Klima mit 714.000 Tonnen CO2 zusätzlich belastet wird.[6] 

Parkende Autos

Im Schnitt nutzen die Deutschen ihr Fahrzeug nur eine Stunde am Tag - die restlichen 23 Stunden stehen Millionen Blechkarossen auf Parkplätzen und stoßen kein CO2 aus. Zur Klimabilanz gehört aber mehr als nur die reine Fahrleistung mit Verbrauchs- und Emissionswerten: Auch für stehende Fahrzeuge müssen Straßen und Parkplätze, Garagen, Werkstätten und vieles mehr gebaut und erhalten werden. So werden allein für den Verkehr 40 Prozent der Siedlungsflächen verbraucht. Täglich werden in Deutschland 23 Hektar für neue Verkehrsflächen versiegelt.[7] Pro Parkplatz benötigt der „ruhende Verkehr“ 20 Quadratmeter wertvolle Siedlungsfläche.[8]

Und auch Autos, die stehen, werden hergestellt, zum Händler gebracht und müssen irgendwann entsorgt werden. Dabei werden erhebliche Mengen an Rohstoffen, Wasser und Energie verbraucht - und Kohlendioxid ausgestoßen. Die gesamte Autoherstellung verbraucht beispielsweise jährlich mehr als 37 Millionen Tonnen Eisen und Stahl. Bis ein Auto vom Band läuft werden rund 5.000 Liter Erdöl eingesetzt. Für die Produktion eines Kleinwagens werden 18 Tonnen, für die eines Mittelklasse-Wagens 22 Tonnen und für die eines Oberklasse-Wagens sogar 43 Tonnen Ressourcen verbraucht.[9]  Ausgehend von der Gesamtbilanz eines Autos fallen rund 20 Prozent des gesamten CO2-Ausstoßes auf seine Herstellung.

Fazit:

Ein Auto belastet das Klima mit CO2 - beim Fahren und Stehen. Insbesondere bei der Erstanschaffung eines Pkw oder beim Austausch eines alten Fahrzeugs durch einen Neuwagen sollte man gut überlegen, wie klimaverträglich der Kauf ist. Und prüfen, ob es für die geplanten Autofahrten Alternativen gibt, beispielsweise Bus oder Bahn. Mit dem Fahrrad ist man zum Beispiel bei Kurzstrecken gut bedient. Wer nicht auf das Auto verzichten will, den Pkw unregelmäßig nutzt oder weniger als 10.000 Kilometer im Jahr fährt, für den ist Carsharing eine klimaverträgliche und günstige Alternative.

[1] Kraftfahrt-Bundesamt Jahresbericht 2008, Seite 37
[2] Statistik Fahrzeugnutzung
[3] Umweltfreundlich mobil
[4] Kontiv2002-Ergebnistelegramm-Mobilität in Deutschland-2002 (2003). DIW/INFAS 
[5] Verkehrsclub Deuschland (VCD)
[6] 288 Millionen Liter im Stau verschwendet
[7] Unterrichtung der Bundesregierung: Fortschrittsbericht 2008 zur nationalen Nachhaltigkeitsstrategie (BT-Drs:16/10700)
[8] Umweltfreundlich mobil
[9] Umweltbilanzen von Autos: Was ist mit der Produktion?

Stand: 14.08.2009

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