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Wie stehen Verbraucher zum Thema Ernährung und Klimaschutz?
Interview mit Julia Scheiber, Referentin im vzbv, zu den Ergebnissen einer Repräsentativ-Umfrage
Worauf achten Verbraucher beim Einkauf ihrer Lebensmittel? Was wissen sie über klimafreundliche Ernährung und wozu sind sie bereit in Sachen Klimaschutz? Der vzbv hat eine repräsentative Befragung zu diesem Thema in Auftrag gegeben und die Ergebnisse jetzt veröffentlicht. Ein Interview mit Julia Scheiber, Referentin im vzbv und verantwortlich für die Studie.
Der Einfluss von Industrie und Verkehr auf unser Klima dürfte den meisten Verbrauchern bekannt sein. Aber wie viele von ihnen wissen, dass auch unsere Ernährung Auswirkungen auf das Klima hat?
Scheiber: Knapp der Hälfte der Befragten ist der Zusammenhang von Ernährung und Klimaschutz bewusst, und das über alle Altersgruppen hinweg. Lediglich den Jüngeren bis 25 Jahre ist der Zusammenhang weniger bewusst.
Denken Verbraucher denn, dass sie mit ihrer Ernährung überhaupt Einfluss auf das Klima nehmen können?
Scheiber: Immerhin 47 Prozent - also fast die Hälfte - glauben, dass sie über eine klimafreundliche Ernährung einen wirkungsvollen Beitrag zum Klimaschutz leisten können.
Wie sieht’s denn dann im Alltag aus, achten Verbraucher auf Klimafreundlichkeit?
Scheiber: Interessant in diesem Zusammenhang ist das Ergebnis, dass viele Verbraucher klimafreundlich einkaufen ohne dass es ihnen bewusst ist. Indem sie zum Beispiel saisonale und regionale Produkte bevorzugen. So gaben nur 27 Prozent der Befragten an, dass sie beim Einkauf auf die Klimafreundlichkeit der Produkte achten. Aber 82 Prozent beziehungsweise 67 Prozent gaben an, dass sie frische und saisonale Produkte anderen bevorzugen. Und im Ergebnis ist das klimafreundliches Verhalten, auch wenn es unbewusst geschieht.
Sind Verbraucher auch bereit, ihre Ernährung dem Klima zuliebe zu verändern?
Scheiber: Das schon. 48 Prozent gaben an, es würde Ihnen leicht fallen, ihre Ernährung für den Klimaschutz umzustellen.
Allerdings sollte dies nicht automatisch mit Verzicht verbunden sein, zum Beispiel auf Fleisch oder andere bestimmte Lebensmittel. Das können sich die meisten Verbraucher nämlich nicht vorstellen.
Wir sprechen von „den Verbrauchern“, dabei unterscheiden sie sich in Alter, Geschlecht und vielen weiteren Faktoren …
Scheiber: Ja, es gibt schon einige Unterschiede: Frauen und Ältere ernähren sich oft bewusst oder unbewusst klimafreundlicher als Männer und Jüngere. Sie haben generell eine höhere Sensibilität beim Thema Klimaschutz.
Wovon hängt es denn ab, ob sich jemand klimafreundlich ernährt?
Scheiber: Klimafreundliches Verhalten folgt dem Muster: Wissen – Können - Wollen - Tun. Erst wenn Verbraucher die Zusammenhänge ausreichend kennen und verstehen, können sie die Absicht entwickeln, sich klimafreundlich zu ernähren. Außerdem müssen sie die Möglichkeit dazu haben, sie müssen also auch klimafreundliche Produkte einkaufen können.
Unsere Befragung zeigt, dass klimafreundliches Verhalten vor allem eine Frage der sozialen Norm ist. Wenn Menschen, mit denen man verbunden ist oder viel zu tun hat, klimafreundliches Verhalten Wert schätzen, ist man eher bereit, selbst etwas zu tun.
Wie können wir andere überzeugen, möglichst klimafreundlich zu leben?
Scheiber: Vorbilder scheinen eine große Rolle zu spielen. Dabei müssen es gar nicht mal die Vorbilder aus der „großen Politik“ sein. Es reichen Vorbilder auf regionaler und lokaler Ebene. Und wir müssen noch mehr informieren. Denn das Wissen über den Zusammenhang zwischen Ernährung und Klimaschutz ist im Vergleich zu anderen Themen wie Mobilität noch gering.
Eine klimafreundliche Ernährung ist ja nicht nur eine Frage der Absicht, sondern auch der Möglichkeiten. Was hindert Verbraucher denn daran, sich klimabewusst zu ernähren?
Scheiber: Verbraucher klagen über einen Mangel an Transparenz und über Angebotsdefizite. Sie sagen also nicht, dass es nicht attraktiv ist, klimaschonend zu konsumieren. Vielmehr vermissen sie Herstellerangaben zur Klimafreundlichkeit von Lebensmitteln, um diese miteinander vergleichen zu können.
Ein weiterer Faktor ist die Zeit: 51 Prozent der Befragten verbinden mit klimafreundlichem Konsum einen großen zeitlichen Mehraufwand. Sie wollen schnell und auf einen Blick erkennen können, welches Produkt klimafreundlich ist.
Hat die Studie etwas ergeben, was Sie besonders überrascht?
Scheiber: Ich habe mich tatsächlich gewundert, dass die Hälfte der Befragten den Zusammenhang zwischen Ernährung und Klimaschutz kennt. In der öffentlichen Diskussion wird ja viel häufiger über den klimaschädlichen Einfluss des Verkehrs oder der Energie gesprochen als über die Treibhausgasbilanz unserer Ernährung. Deshalb stimmt mich die Studie optimistisch.
In einer repräsentativen Online-Befragung unter 3.284 Bürgern untersuchte die Prognos AG im Auftrag des vzbv, wie die Verbraucher zum Thema Klimaschutz in den Bereichen Mobilität und Ernährung stehen. Die Befragung wurde im Mai und Juni 2009 durchgeführt. Die Ergebnisse zum Thema Mobilität wurden bereits im September 2009, die Ergebnisse zum Thema Ernährung sowie die gesamte Studie am 13.01.10 erstmals veröffentlicht.
Stand: 13.01.2010
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Materialien zum Download
Perspektiven der Verbraucher zum Klimaschutz: Mobilität und Ernährung Endbericht des Verbrauchermonitorings (PDF; 1,13 MB; 136 Seiten)
Weiterführende Links
Repräsentative Umfrage zu Ernährung und Klimaschutz Presseinfo: Die wichtigsten Ergebnisse in Zahlen Klimaschutz schmeckt! Lebensmittel clever einkaufen "Die Bereitschaft ist da" Ergebnisse der Repräsentativ-Befragung des vzbv zum Thema Mobilität und Klimaschutz




