Hand wirft Münze in Sparschein; Rechte: iStock

 

CO2-Kompensation: Wie es funktioniert und was dahinter steckt

Ausgleichszahlungen für Flüge, Dienstleistungen und Produkte sollen beim Klimaschutz helfen

"Klimaneutrale" Flüge, "klimaneutrale“ Wurst oder auch "klimaneutrale“ Tagungen - das Angebot von Produkten und Dienstleistungen, die dem Klima angeblich nicht schaden, wächst stetig. „Klimaneutral" soll bedeuten, dass die bei der Herstellung verursachten CO2-Emissionen woanders wieder ausgeglichen werden. Wir erklären, wie es funktioniert.

Grafik des CO2-Kreislaufs; Rechte: vzbv

CO2-Kreislauf

Die Idee ist einfach: Für die Atmosphäre ist es unerheblich, wo klimaschädliches CO2 ausgestoßen und wo es eingespart wird. Deshalb kann der Ausstoß einer bestimmen Menge an Treibhausgasen, der hier nicht vermieden wird, an einem beliebigen Ort der Welt verhindert werden. Was am Ende zählt, ist die Bilanz.

Aus dem Bereich der Flugreisen sind solche Angebote schon länger bekannt. Inzwischen kann aber nicht nur der CO2-Ausstoß von Flügen, sondern auch von anderen Dienstleistungen und Produkten, ja sogar von Veranstaltungen kompensiert werden.

CO2-Kompensation als schlichte Rechnung

Meistens wird die Ausgleichszahlung über das Internet abgewickelt, bei Fluggesellschaften, Reiseveranstaltern oder bei Kompensationsagenturen. Flüge können Sie auch bei einem persönlichen Besuch im Reisebüro kompensieren.

Das Prinzip ist in jedem Fall dasselbe: Zunächst wird berechnet, wie viel CO2 durch die Herstellung des Produkts oder durch die Dienstleistung entstanden ist und dann, wie viel es kostet, diese Menge in einem Klimaschutzprojekt einzusparen.

Strenge Anforderungen an Klimaschutzprojekte

Wichtigste Voraussetzung für ein Klimaschutzprojekt ist das Prinzip der Zusätzlichkeit: Es muss sichergestellt sein, dass ein Projekt zur CO2-Reduzierung nur deshalb umgesetzt wird, weil es die zusätzliche Finanzierung durch den Kompensationsmechanismus erhält.

Technisch wird das Verfahren mit Zertifikaten gesteuert. Wer Geld für ein Klimaschutzprojekt gibt, kauft Zertifikate über die entsprechende Menge CO2. Durch einen damit verbundenen Mechanismus sollen Doppelverkäufe von CO2-Reduktionen vermieden werden. Zum anderen können Emissionen dort eingespart werden, wo es wirtschaftlich am günstigsten ist, meist in Entwicklungsländern.

Solarkocher, Biogasanlagen, Windkraftwerke

Die Markierungsfähnchen für Klimaschutzprojekte sind auf der Landkarte breit verteilt: Honduras, Nigeria, Indien, Thailand, China – um nur einige Beispiel zu nennen. Die CO2-Reduzierung kann durch die Umstellung von Kohleöfen auf Solarkocher realisiert werden oder durch die Gewinnung von grünem Strom aus Ernteresten. Weitere Beispiele sind die Gewinnung von Biogas aus Abwasser oder der Bau von Windkraftwerken.

Aussuchen kann man sich das Projekt, das mit der Ausgleichzahlung gefördert werden soll, nicht. Jeder Anbieter hat verschiedene Projekte im Programm und verteilt die Mittel nach eigener Strategie. Immerhin bieten gerade die Kompensationsagenturen detaillierte Informationen über die Projekte, Beteiligte und auch über das CO2-Einsparpotential.

Was kosten CO2-Kompensationsleistungen?

Die errechneten CO2-Mengen und die Preise für entsprechende Kompensation schwanken von Anbieter zu Anbieter. Einen Flug von Berlin Tegel nach Antalya in der Türkei und zurück kalkuliert die Kompensationsagentur atmosfair mit gut einer  Tonne CO2-Ausstoß pro Fluggast und bietet einen CO2-Ausgleich für 28 Euro an.

Eine Flugreise von Hamburg nach New York und zurück fällt beim Kompensationsanbieter myclimate mit zweieinhalb  Tonnen CO2 ins Gewicht und erfordert eine Kompensationszahlung von 60 Euro.

Zum Vergleich: In Deutschland verursacht jeder Einwohner durchschnittlich gut 11 Tonnen Treibhausgase im Jahr. Klimaschützer fordern eine Reduzierung auf weltweit zwei Tonnen pro Mensch und Jahr, um die Folgen des Klimawandels überhaupt noch beherrschbar zu halten.

CO2-Ausstoß vermeiden ist immer noch am besten fürs Klima

Kritiker vergleichen Kompensationszahlungen gern mit Ablasshandel, bei dem Industrie und Verbraucher sich ein reines Gewissen kaufen. Gute Kompensationsdienstleister raten dazu, Treibhausgasemissionen möglichst zu vermeiden oder wenigstens zu vermindern, denn darin stimmen sie mit Klimaschützern überein: Zunächst sollte versucht werden, überhaupt so wenig wie möglich Treibhausgase zu verursachen - Kompensieren kann immer nur die zweitbeste Lösung sein.

Die Verbraucherallianz „fürs klima“ hat reine Kompensationsanbieter, Fluggesellschaften und Reiseveranstalter untersucht. Lesen Sie hier die Ergebnisse des Marktchecks.

Stand: 06.08.2010

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Materialien zum Download

Klimabewusster unterwegs - Kompensation im Überblick Faltblatt (PDF; 600 KB) Studie zu Treibhausgas-Kompensationsanbietern in Deutschland Hochschule für nachhaltige Entwicklung, Eberswalde (PDF, 111 Seiten, 3,1 MB) Verbraucherbefragung: Kompensation von Treibhausgasen Zusammenfassung der Hochschule für nachhaltige Entwicklung, Eberswalde (PDF, 96 Seiten; 5,2 MB)

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