Wie der blaue Engel das Klima schützt
Interview mit Monika Büning, Referentin für Umwelt und Produktsicherheit im vzbv und Mitglied der "Jury Umweltzeichen"
Der Blaue Engel ist das älteste Umweltzeichen weltweit. Seit 1978 zeichnet er mehr als 10.000 umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen aus. Jetzt bekommt er Gesellschaft: der Blaue Engel Klimaschutz soll Verbrauchern dabei helfen, CO2 einzusparen.
Was ist neu am Blauen Engel?
Büning: Bisher gab es nur einen Blauen Engel. Im November 2008 wurde er in vier verschiedene Kategorien unterteilt. So können Verbraucher schneller sehen, welcher Aspekt besonders wichtig ist. Der Engel wird nun mit einem erläuternden Hinweis ergänzt: … „schützt das Wasser“, „schützt die Ressourcen“, „schützt die Gesundheit“ oder eben „schützt das Klima“.
Wofür steht der Blaue Engel „schützt das Klima“?
Büning: Beim Blauen Engel für Klimaschutz steht die Energieeffizienz im Mittelpunkt. Produkte, die diese Kennzeichnung erhalten, sind also besonders energiesparend, haben eine lange Lebensdauer und sind darüber hinaus auch gut zu recyclen. Außerdem müssen Ersatzteile lange vorgehalten werden.
Welche Produkte und Dienstleistungen werden mit dem Blauen Engel „schützt das Klima“ gekennzeichnet?
Büning: Dazu gehören Netbooks, Waschmaschinen, Espressomaschinen oder auch Wasserkocher. Manchmal, wie bei den Wasserkochern, kann man mit einem einzelnen Gerät gar nicht so viel sparen, aber hier macht es die Masse. Immerhin gibt es ja in den allermeisten Haushalten Wasserkocher. Über Elektrogeräte hinaus gibt es viele weitere Produkte mit dem Blauen Engel zum Klimaschutz, zum Beispiel Gasherde, Autoreifen oder auch Dienstleistungen wie Carsharing.
Welche Kriterien müssen erfüllt sein?
Büning: Das ist sehr unterschiedlich und hängt von der Produktgruppe ab. Bei Wasserkochern ist es neben der Energieeffizienz die genaue und gut sichtbare Wasserstandsanzeige, damit nur so viel Wasser erhitzt werden kann, wie wirklich benötigt wird. Bei Waschmaschinen ist es der Strom- und Wasserverbrauch, der besonders klimarelevant ist. Auch automatische Abschaltfunktionen von Geräten sind ein wichtiges Kriterium.
Selbst wenn Produkte im Betrieb energiesparend sind, können sie in Fernost produziert sein und viele klimaschädigende Kilometer bis zu unseren Geschäften zurückgelegt haben …
Büning: Ja, das ist ein wunder Punkt. Produktion und Transportwege können wir bisher leider nicht berücksichtigen. Das ist sehr schwierig und wir vergeben ja auch kein CO2-Label. Die Jury Umweltzeichen und alle anderen Beteiligten sind sich aber darüber bewusst, dass hier etwas getan werden muss. Deshalb arbeiten wir an der Einbeziehung von Umwelt- und Sozialstandards. Im Moment versuchen wir das bei Kleidung und Schuhen. Aber das ist ein sehr langwieriger Prozess und man macht sich schnell angreifbar – darum müssen diese Kriterien sehr gut durchdacht und dann auch kontrolliert werden.
Welchen Einfluss hat der Blaue Engel auf die Anbieterseite?
Büning: Einen sehr großen. Das merkt man im Gespräch mit Unternehmen. Sie erhoffen sich bessere Verkaufszahlen durch die Kennzeichnung mit dem Blauen Engel und bemühen sich, die erforderlichen Kriterien zu erfüllen. Zu Recht: Eine Studie des Bundesumweltministeriums von 2006 hat gezeigt, dass 80 Prozent der Verbraucher den Blauen Engel kennen und 66 Prozent von ihnen bereit sind, für umweltfreundliche Produkte mehr zu bezahlen.
Ab wann können Verbraucher den Blauen Engel für Klimaschutz in den Verkaufsregalen finden?
Büning: Das wird zum Jahreswechsel 2009/2010 möglich sein. Vor einem Jahr haben wir das Label für Klimaschutz ins Leben gerufen, nun mussten erst einmal Vergabegrundlagen durch Expertengremien ausarbeitet werden. Das dauert… Aber es gibt ja schon sehr viele Produkte mit dem Blauen Engel auf dem Markt und es werden hoffentlich immer mehr.
Ganz ehrlich - können wir ein absolut reines Gewissen haben, wenn wir Produkte mit Blauem Engel kaufen?
Büning: Wenn es um Umwelt- und Klimaschutz geht, sollten Verbraucher lieber zu den Produkten greifen, die einen Blauen Engel tragen als zu anderen ohne das Zeichen. Aber die eigentliche Kunst liegt darin, weniger zu konsumieren: Der beste Konsum ist der, den es nicht gibt.
Stand: 20.11.2009
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