Zur Marktentwicklung von Elektrofahrrädern
Industrie will Elektroräder weiter optimieren
Sowohl die Zweiradindustrie als auch die Händler haben allen Grund zur Freude. Das Elektrofahrrad liegt im Trend und verspricht weiterhin erfreuliche Umsatzzahlen. Was tut sich auf dem Markt?
Die Elektromobilität hat Fuß gefasst, zumindest bei den Fahrrädern. Seit 2007 liegen die Zuwachsraten in Deutschland im zweistelligen Bereich. 2009 stieg der Umsatz mit 150.000 verkauften Elektrorädern sogar um 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Siegfried Neuberger vom Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) führt dies auf die Weiterentwicklung der Batterietechnologie und der Antriebe sowie auf „attraktive Modelle mit frischem Design“ zurück. Er ist optimistisch: „Für das laufende Jahr rechnen wir mit einem weiteren Wachstum und dem Verkauf von rund 180.000 Elektrofahrrädern.“
Preisentwicklung bei Elektrorädern
Inzwischen haben auch Discounter und Drogeriemärkte Elektrofahrräder für sich entdeckt und vertreiben sie als Aktionsware im Geschäft oder über das Internet. „Der Markt teilt sich auf in günstige und sehr hochwertige Räder,“ bestätigt Neuberger. „Die Preisspanne ist sehr breit. Sie fängt bei rund 1.000 Euro an und ist nach oben nicht begrenzt, aber die meisten Elektrofahrräder werden für 1.500 bis 2.000 Euro verkauft.“
Im Schnitt sind Elektrofahrräder 800 Euro teurer als herkömmliche Fahrräder. Wer auf sinkende Preise in der Zukunft gehofft hat, muss enttäuscht werden. „Ich möchte auch davor warnen, zu sehr auf die billigen Angebote zu setzen“, gibt der Fachautor Peter Barzel zu Bedenken. Immerhin sei man mit einem Elektrorad mit 20 Stundenkilometern wesentlich schneller als mit einem ‚normalen‘ Rad unterwegs. „Bei doppelter Geschwindigkeit muss ich auch mehr Sorgfalt walten lassen.“
Elektrofahrrad erst testen, dann kaufen
Bei sehr günstigen Elektrorädern kann der Antrieb weniger „harmonisch“ und weniger komfortabel funktionieren. „Eine schlechte Motorsteuerung wird leicht zu einem Sicherheitsrisiko, vor allem für ungeübte Radfahrer“, warnt Barzel und erklärt, woran man die Motorabstimmung erkennen kann: „Achten Sie darauf, wie sich das Rad beim Anfahren verhält und wie es reagiert, wenn Sie aufhören zu treten.“
Zwar sei teuer nicht immer gut und billig nicht immer schlecht, räumt Martin Hofmann, Zweiradexperte der Stiftung Warentest, ein. „Bei Discountern aber habe ich keinen Ansprechpartner. Dort erhalte ich auch nur eine Rahmenhöhe und klage anschließend womöglich über mangelnden Komfort. Im Fachhandel dagegen kann ich mir die richtige Rahmenhöhe aussuchen und testen.“
Akkus fallen ins Gewicht
Neben der Motorleistung und der allgemeinen Ausstattung spielt die Qualität der Akkus eine entscheidende Rolle bei den Preisen von Elektrofahrrädern. „Wenn Sie ein Rad mit Lithium-Ionen-Akku haben möchten, ist die Höhe des Preises schon vorgegeben“, erklärt Neuberger. „Diese Akkus sind recht unempfindlich und können auch zwischendurch mal etwas aufgeladen werden.“
Das kann sinnvoll sein, wenn eine längere Fahrt geplant ist und vermieden werden soll, dass der Akku während der Fahrt leerläuft oder wenn die Zeit etwa zwei Stunden fürs vollständige Aufladen fehlt. Für den, der öfter weitere Strecken fährt, könnte sich ein Zweitakku lohnen. Er fällt zwar mit etwa zwei bis drei Kilo ins Gewicht, dafür sinkt dann das Risiko ohne Motorunterstützung in die Pedale treten zu müssen.
Einheitliche Systeme für Akkus und Ladegeräte
Die Zweirad- und Akku-Industrie arbeitet weiter daran, das Gewicht der Akkus zu reduzieren. Neuberger hofft längerfristig auf einheitliche Schnittstellen für die Ladegeräte, so dass öffentliche Ladestationen genutzt werden könnten.
Und noch etwas steht auf seiner Liste: die Entsorgung der Batterien. „Wir wünschen uns ein einheitliches System und eine einfache Lösung“, sagt Neuberger, „so dass im Handel Boxen zur Verfügung stehen, in die alte und verbrauchte Akkus eingeworfen werden können." Bis es so weit ist, rät er allen, die ihren Akku entsorgen möchten, diesen zum Händler zu bringen.
Kavalierstart vermeiden spart Energie
Ob mit einem oder mit zwei Akkus - Elektrofahrradfahrer können einiges an Energie sparen, wenn sie sich eine sparsame Fahrweise angewöhnen. Dazu gehört, vor der roten Ampel zurück- und erst bei Grün wieder hochzuschalten.
„Der Energieverbrauch ist wie beim Auto“, erklärt Barzel. „Wenn ich einen ‚Kavalierstart‘ hinlege, braucht das besonders viel Energie. Viele Leute lassen die höchste Gangart eingeschaltet und fahren so von Ampel zu Ampel in der Stadt.“ Das ziehe aber viel Energie und reduziere die Fahrleistung.
Neuere Modelle zeigen abhängig von Strecke, gewähltem Gang und Motorzuschaltung den aktuellen Energieverbrauch während der Fahrt an, zum Beispiel in den Stufen von eins bis sechs.
Neue Räder, neue Zielgruppen
Zweifellos wird sich in den nächsten Jahren weiterhin sehr viel bewegen auf dem Markt der Elektrofahrräder. Lag die Zielgruppe bisher bei Fahrern im Alter von 50 plus, so sind es immer öfter junge Leute, die mit elektrischer Unterstützung über den Radweg sausen.
Auch sportliche Fahrer könnten Gefallen an Elektrofahrrädern finden. So gibt es bereits Elektro-Mountainbikes, mit denen man sich dank zuschaltbarer Tretunterstützung nur noch dann die Berge hochquälen muss, wenn man es unbedingt möchte. Im Tourismus spielen Elektroräder zunehmend eine Rolle, etwa durch Leihstationen in bergigen Regionen.
Noch einiges zu verbessern gibt es bei den Belastungsgrenzen von Elektrofahrrädern. Die meisten Räder sind auf ein zulässiges Gesamtgewicht von 100 Kilo für Fahrer und Gepäck ausgelegt. Wer also sehr schwer ist und dazu Gewichtiges zu transportieren hat, kann hier (noch) schnell an Grenzen stoßen.
Stand: 25.08.2010
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Materialien zum Download
Elektrofahrräder - Radeln mit eingebautem Rückenwind Faltblatt (2 Seiten, 1,2 MB)


