Dichtung und Wahrheit
„Energiesparlampen? Ich will‘s lieber hell! “
125 Jahre Glühbirne haben ihre Spuren hinterlassen – dem Nachfolgemodell Kompaktleuchtstofflampe, wie die Energiesparlampe offiziell heißt, trauen nur wenige. Und fragen sich: Wie sollen denn ein paar Birnen das Klima retten? Außerdem sei ja die Sparversion selber keine besondere Umweltleuchte. Oder doch?
Ab September 2009 werden Glühlampen stufenweise aus dem Verkehr gezogen. So hat es die EU beschlossen. Stattdessen kommen dann vermehrt Energiesparlampen oder auch Halogenleuchten und Leuchtdioden (LED) zum Einsatz. So werden Stromverbrauch und damit auch CO2-Belastungen und Kosten reduziert. Wer beispielsweise eine 60 Watt Glühlampe durch eine 15 Watt Energiesparlampe ersetzt, spart in 10.000 Betriebsstunden rund 90 Euro Stromkosten und 290 kg CO2 [1]. Doch Energiesparlampen stoßen häufig auf Bedenken – auf praktische und vor allem umweltpolitische.
„Mit den Energiesparlampen kann man gar nicht so viel Strom sparen“
Das Beleuchten der Wohnung ist im Schnitt genauso teuer wie Kochen und Backen zusammen. Wie kann das sein? Der Herd oder die Waschmaschine laufen in der Regel nur ab und zu und nur für wenige Stunden. Lampen aber brennen jeden Tag, oft viele Stunden. Dabei wandelt eine Glühbirne nur rund fünf Prozent der Energie in Licht um. Eine Energiesparlampe dagegen rund 25 Prozent.
Würden die Glühbirnen ersetzt, könnte ein durchschnittlicher Zwei-Personenhaushalt jährlich bis zu 220 kWh einsparen und damit bis zu 132 kg CO2, errechnete die Deutsche Umwelthilfe (DUH) [2]. Und rechnete weiter für ganz Deutschland: Würde man nur 60 Prozent der Lampen in Haushalten gegen eine energieeffizientere Beleuchtung austauschen, würde das den CO2-Ausstoß jährlich um 4,5 Millionen Tonnen reduzieren. Das entspräche dem CO2-Gesamtausstoß von ca. 1,8 Millionen Mittelklassewagen (15.000 Kilometer/Jahr). Außerdem könnten die privaten Haushalte ihre Stromrechnung insgesamt um 1,5 Milliarden Euro reduzieren. [3]
„Mit Glühbirnen lässt sich auch der Raum beheizen“
Stimmt. Die Birne braucht ja nur 5 Prozent fürs Licht, die restlichen 95 gehen für Wärme drauf. Die elektrische Heizung ist allerdings die ineffizienteste Form der Beheizung überhaupt - daher ist es eine gewagte Methode, die Wohnung über die Wohnzimmerlampe zu heizen.
„Die Herstellung einer Energiesparlampe kostet viel Energie“
Die Produktion einer Sparlampe verbraucht etwas mehr an Energie als die Produktion einer Glühlampe. [4] Ein Grund: In jeder Energiesparlampe steckt ein elektronisches Vorschalt-Gerät, das in der Herstellung viel Energie erfordert. Wichtig ist hierbei jedoch, die gesamte "Lebensspanne" der Lampe von der Herstellung über die Nutzung bis zur Entsorgung zu betrachten: Durch die Ersparnis in der Nutzungsphase wird der Mehrverbrauch bei der Herstellung um ein Vielfaches überkompensiert.
„In den Lampen ist giftiges Quecksilber enthalten“
Stimmt. Je nach Lampentyp sind vor allem die Verarbeitung und der Abbau ein Problem. Allerdings kann nur dann Quecksilber in die Umwelt gelangen, wenn die Lampen in den Hausmüll geworfen statt gesammelt werden. Außerdem wird bei der Verbrennung von Kohle für die Stromerzeugung ebenfalls Quecksilber freigesetzt. Je weniger Strom also durch Lampen verbraucht wird, desto geringer wird diese Belastung.
„Das Recycling der Energiesparlampe kostet viel Energie“
Aber immerhin wird sie recycelt - sofern sie ordnungsgemäß entsorgt wird. Denn das Recyceln der Sparlampen hat seine Tücken. Was einerseits an den Verbrauchern liegt, die die Lampen in den Hausmüll werfen. Und andererseits an den Händlern, die sich häufig weigern, gebrauchte Lampen zurück zu nehmen. So können nur zehn Prozent der Lampen recycelt werden. Dieser Vorgang selber ist tatsächlich recht aufwändig.
Viel Energie muss beispielsweise eingesetzt werden, um zu verhindern, dass das Quecksilber entweichen kann. Zudem müssen die Lampen mit Lkw zu den nur vier vorhandenen Recyclingstandorten quer durchs Land gefahren werden. Allerdings muss man sich auch hier wieder die Lebensspanne ansehen - der Energieverbrauch beim Recycling ist nur ein Bruchteil des Energieverbrauchs in der Nutzungsphase.
Fazit:
Glühlampen verbrauchen viel Strom im täglichen Bedarf und belasten die Umwelt mit CO2. Energiesparlampen dagegen brauchen bis zu 80 Prozent weniger Strom. Jedoch gibt es erhebliche Unterschiede: Vor allem Qualitätslampen schnitten bei Stiftung Warentest in punkto Ersparnis [5] und Haltbarkeit [6] gut ab. Aber auch Halogenlampen können sich sehen lassen: Abhängig vom Modell lassen sich damit 30 bis 50 Prozent Energie einsparen. [7] Ein wahres Stromsparwunder der Zukunft soll die Leuchtdiode (LED) sein, die aber noch in der Entwicklung steckt.
[1] Bei Stromkosten von 20 Ct/kWh und einer durchschnittlichen Menge von 0,65 kg CO2 pro Kilowattstunde, Link zum PDF-Dokument
[2] DUH-Infoblatt_Energiesparlampen
[3] Deutsche Umwelthilfe Pressemitteilung
[4] NABU Energieeffizienz - Artikel: Gerüchte um die giftige Birne
[5] Stiftung Warentest "Nur jede dritte gut"
[6] Stiftung Warentest "Die besten Dauerbrenner"
(Artikel ist kostenpflichtig)
Stand: 14.08.2009
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- „Energiesparlampen? Ich will‘s lieber hell! “
Materialien zum Download
Was sind Energiesparlampen? (pdf 335 KB) Übersichtstabelle: Energiesparlampen (pdf 557 KB) Warum Energiesparlampen besser sind (pdf 1.1 MB)
Weiterführende Links
Energiesparlampen: Dichtung und Wahrheit Energiesparlampen im Test Stiftung Warentest vom April 2010, der Artikel ist kostenpflichtig Entsorgung von Energiesparlampen Tipps vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) Sammelstellensuche für Energiesparlampen und Leuchtstoffröhren in Ihrer Nähe Strom sparen mit der richtigen Beleuchtung Informationen der Deutschen Energie-Agentur (dena)



