Klimawandel: Es wird ungemütlich
Der Klimawandel verursacht schon bald häufigere Hitzewellen und Wetterkatastrophen
In der Debatte um den Klimawandel spielt eine Zahl eine Schlüsselrolle: Gelingt es, die Treibhausgasemissionen so zu reduzieren, dass die globale Erwärmung auf durchschnittlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen ist? Dann könnte die Menschheit glimpflich davonkommen. Das lassen jedenfalls die Prognosen zum Klimawandel hoffen. Doch derzeit ist es fraglich, ob sich das Zwei-Grad-Ziel noch erreichen lässt.
„Jenseits der zwei Grad werden die Risiken zunehmender Extremereignisse, des steigenden Meeresspiegels, sinkender Nahrungsproduktion und vieler Umweltflüchtlinge unbeherrschbar“, warnt Stefan Rahmstorf, Professor am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, „dabei sind auch zwei Grad keineswegs harmlos.“ Die Szenarien der Wissenschaftler sehen eine gewisse Spannbreite der kommenden Folgen des Klimawandels. Einige natürliche Prozesse sind noch nicht ganz verstanden. So war das Abschmelzen des Arktiseises in den letzten Jahren schneller als in den Modellen.
Können wir den Klimawandel abwenden?
Vor allem lässt sich schwer vorhersagen, welchen Weg die Menschheit angesichts des Klimawandels einschlagen wird: Gelingt es, das Ruder herumzureißen und die Verbrennung von Öl und Kohle zu drosseln um den Klimawandel zu bremsen? Nutzen wir die Chance der Maßnahmen gegen die Wirtschaftskrise (z.B. die Konjunkturpakete) und fördern jetzt zukunftsfähige Branchen und Technologien? Fordern wir laut genug, dass die Politik sich für einen umfassenden Klimaschutz einsetzt?
Da auch Wissenschaftler nicht wissen, wie viel Treibhausgase (vor allem CO2) wir in Zukunft ausstoßen werden, arbeiten sie mit verschiedenen Wenn-Dann-Szenarien, um mit ihren Computersimulationen einen Blick in die Zukunft zu werfen. Im günstigsten Fall wird sich das Weltklima um 1,1 Grad erwärmen, nach dem schlimmsten Szenario um 6,4 Grad bis zum Jahr 2100. [1] Diese Werte haben viele Forscher mit unterschiedlichen Klimamodellen errechnet.
Folgen des Klimawandels
Aber was bedeutet das für die Erde? Stefan Rahmstorf sieht einen Meeresspiegelanstieg von 0,5 bis 1,4 Meter bis 2100. Viele kleine Inselstaaten würden damit im Meer versinken. Aufgrund des Klimawandels rechnen Experten mit Millionen von Klimaflüchtlingen. Schon jetzt verlassen viele Bewohner des Südseeatolls Carteret ihre Heimat. Selbst für die Niederlande stellt der kommende Meeresspiegelanstieg im Zuge des Klimawandels eine technische und finanzielle Herausforderung dar.
Länder mit Tiefebenen wie Bangladesh würden wichtiges Agrarland verlieren. Flüchtlingsströme und enorme Wanderungsbewegungen wären die Folge. Zudem stoppt der Klimawandel ja nicht im Jahr 2100. „Auch wenn wir es schaffen, die Erwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, wird der Meeresspiegel bis 2400 um wahrscheinlich zwei oder drei Meter ansteigen“, sagt Rahmstorf.
Wie stark der Ozean letztlich anschwillt, hängt vor allem davon ab, wie die großen Eispanzer Grönlands und der Antarktis auf die steigenden Temperaturen reagieren. Wird es weltweit um mehr als zwei Grad wärmer, könnte in Arktis und Antarktis eine fatale Kettenreaktion in Gang kommen: Die Gletscher dort drohten unaufhaltsam abzuschmelzen - auch dann noch, wenn die globale Temperatur irgendwann wieder sänke. Durch den Klimawandel stiege der Meeresspiegel um mehrere Meter an, und ganze Landstriche würden allmählich im Ozean versinken.
Herausforderung Kipp-Punkte
Bei einer Erwärmung über zwei Grad könnten Systeme unseres Klimas in einen neuen, teilweise unwiderruflichen Zustand geraten. Klimaforscher sprechen deshalb von Kipp-Punkten. So werden die Savannisierung des Amazonasregenwaldes oder extreme Veränderungen des indischen Monsuns durch den Klimawandel nicht ausgeschlossen. Schmelzen die Himalajagletscher, wird dunkles Gestein sichtbar, welches Strahlung aufnimmt und nicht, wie das helle Eis, reflektiert. So beschleunigt sich das Abschmelzen ab einem gewissen Punkt aus sich selbst heraus. Das Schmelzen der Gletscher des Himalaja, dem "Wasserturm Asiens", hat enorme Auswirkungen auf die ganze Region mit ihren Milliarden Bewohnern.
Zwischen Dürre und Überschwemmung
Doch auch das 21. Jahrhundert wird nach den Prognosen der Klimaforscher schon ziemlich ungemütlich: In Mitteleuropa werden häufige Hitzewellen Alten und Kranken zu schaffen machen und seltene, aber umso heftigere Regenfälle Überschwemmungen auslösen. Anhaltende Dürren werden Ernten vernichten und dem Tourismus schaden. Bereits heute trockene Regionen wie der Mittelmeerraum verwandeln sich durch den Klimawandel in Wüsten, im Osten Deutschlands herrscht Steppenklima.
Überall werden die Winter wärmer, Schneefälle in Deutschland eine Seltenheit. Gebirgsgletscher schmelzen ab, weshalb viele Flüsse im Sommer kaum noch Wasser führen. Vielerorts droht Trinkwasser knapp zu werden. Zugleich schwindet im Treibhaus Erde die biologische Vielfalt: Bis zu 30 Prozent der Tier- und Pflanzenarten könnten aussterben. [2] Mobile Arten breiten sich nach Norden aus - darunter Schädlinge und Krankheitserreger, die Mitteleuropa bislang verschonen. Der Klimawandel ist eine langfristige durchschnittliche Entwicklung, bei der es auch mal zu kalten Wintern kommen kann. Ein Einzelereignis ist nie Beweis für den Klimawandel, viele Einzelereignisse zeigen jedoch einen deutlichen Trend.
Unsere Chance, den Klimawandel aufzuhalten
Um unter der Zwei-Grad-Marke zu bleiben und somit das Schlimmste des Klimawandels zu verhindern, müsste die Menschheit ihren CO2-Ausstoß bis 2050 etwa um mindestens die Hälfte des Niveaus von 1990 senken.
Die Weltgemeinschaft versucht, mit den UN-Klimaverhandlungen einen Weg für einen international wirksamen Klimaschutz zu finden. Sie hat es bei der Klimakonferenz von Kopenhagen im Dezember 2009 noch nicht geschafft, ein weiteres, weltweit verbindliches Abkommen zu verabschieden, das ambitionierte Ziele und Verpflichtungen enthält und die Entwicklungsländer bei ihrer Entwicklung und bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels unterstützt. Eine letzte Chance bieten die nächsten Klimaverhandlungen in Mexiko im Winter 2010.
Wenn man den Ökonomen glaubt, ist dies sogar rentabel. Denn Maßnahmen, die Klimakatastrophen verhindern werden ihrer Einschätzung nach preiswerter sein die Folgen des Klimawandels wie Hitzewellen, Dürren oder starke Sturmereignisse aufzufangen.
„Klimaschutz ist ein Motor, ein Impulsgeber für Innovationen und damit für die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes. Deutsche Unternehmen haben längst begriffen, welch riesige Chancen der Klimaschutz bietet“ so Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) vor Beginn der UN-Klimakonferenz im Dezember 2009 in Kopenhagen. Die weltweite Klimapolitik muss auf dem Weg zu den nächsten Klimaverhandlungen - im Mai in Bonn und im Dezember in Mexiko - noch einige Weichen stellen.
[1] IPCC-Synthesebericht 2007,
Link zum PDF-Dokument
[2] IPCC
Stand: 26.02.2010
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Weiterführende Links
IPCC-Report Der aktuelle Klimabericht des Internationalen Klimarats (in englischer Sprache) Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung Die Website bietet allgemeinverständliche Hintergrundinformationen zur Klimafolgenforschung Simulationen zum Klimawandel Berechnungen des deutschen Klimarechenzentrums Germanwatch Informationen zu klimarelevanter Politik und den UN-Klimaverhandlungen WISSENSlogs Weblog zur aktuellen Debatte klimawissenschaftlicher Erkenntnisse



