Fährst du noch oder gehst du schon?

Verbraucherzentrale Thüringen präsentiert „Gehzeug“

Wie viel Parkplatz braucht ein Fußgänger? Wie viele Menschen passen in ein Auto? Was genau ist ein „Gehzeug“? Und wem gehört eigentlich die Straße? Antworten auf diese und viele weitere Fragen finden Sie hier.

Ein einfacher, rechteckiger Holzrahmen in der Größe eines Mittelklassewagens: das ist das Gehzeug. Erfunden hat es Prof. Hermann Knoflacher, Verkehrsplaner an der Technischen Universität Wien. Das Besondere: Stellt man sich in die Mitte des 4,30 mal 1,70 Meter großen Holzrahmens, kann man sich das Gestell mit einem Trageriemen auf die Schultern hängen und damit spazieren gehen. Auf diese Weise sichert das „Gehzeug“ - analog zum Fahrzeug - Fußgängern denselben individuellen Freiraum wie ihn Autofahrer beanspruchen.

„Was ist das denn?“

Neugierige Blicke und Fragen sind garantiert, wenn das Gehzeug der Verbraucherzentrale Thüringen in Fußgängerzonen oder Stadtfesten zu besichtigen ist. „Uns geht es nicht darum, das Auto zu verteufeln“, erklärt Cornelia Genßler von der Verbraucherzentrale Thüringen die Aktion. „Aber wir wollen mit dem Gehzeug zum Nachdenken über Mobilität anregen. Vor allem Kurzstreckenfahrten im Stadtverkehr - das sprichwörtliche Brötchenholen - lassen sich meist ebenso gut zu Fuß, per Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erledigen“, so Genßler.

Stau auf dem Fußweg

Auf die Stellfläche eines Mittelklassewagens passen bis zu 20 Menschen. Würden alle Fußgänger den gleichen öffentlichen Raum beanspruchen wie fahrende oder parkende Autos - unüberschaubare Staus auf allen Fußwegen wären die Folge. „Ist es normal, dass das Auto in unseren Städten Fußgänger und Radfahrer buchstäblich an den Rand drängt?“, fragt Genßler. Die Aktion erregt Aufsehen - und provoziert. Denn die Botschaft „Gehzeug statt Fahrzeug“ ist gerade in Zeiten der Abwrackprämie nicht überall populär. Doch die Verbraucherschützerin verweist auf die Nebenwirkungen des Autoverkehrs: von der fortschreitenden Erderwärmung über Feinstaubbelastung bis zu Gesundheitsschäden durch Verkehrslärm. „Wir zahlen einen zu hohen Preis für unsere Liebe zum Auto“ sagt Genßler und hofft, dass Aktionen wie diese dabei helfen, Menschen zum Umdenken, vor allem aber zum Umsteigen bewegen können.

Stand: 14.08.2009

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