Dichtung und Wahrheit
„Bio-Lebensmittel sind auch nicht besser als die anderen … “
Ob Eier von freilaufenden Hühnern, Fleisch ohne Antibiotika oder Gemüse ohne Pestizide - das Angebot und die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln steigen. Wer zu den Produkten greift, will vor allem zwei Dinge: Der Gesundheit und der Umwelt was Gutes tun. Aber erfüllen ökologische Produkte wirklich die hohen Ansprüche?
Allein unsere Ernährung trägt mit durchschnittlich 1.500 Kilogramm CO2 zur Erderwärmung bei. Wohlgemerkt pro Jahr und pro Kopf. [1] Ob beim Düngen der Felder, bei der Tierhaltung, bei der Kühlung oder bei der Fahrt vom Laden nach Hause – bei jedem Schritt wird CO2 ausgestoßen. Wie viel, hängt jedoch von unterschiedlichen Faktoren ab. Zum Beispiel, ob es sich um konventionelle oder ökologische Ware handelt, um Obst und Gemüse oder Fleisch und Tiererzeugnisse. Oder wie viele Kilometer die Nahrung bis zum Kunden unterwegs ist.
Pflanzliches
Felder pflügen, Pflanzen düngen und ernten - all das geht nicht ohne dieselbetriebenen Trecker. Darum fallen sowohl beim konventionellen als auch bei der ökologischen Aufzucht von Obst und Gemüse CO2-Emissionen an. Beim konventionellen Anbau verursachen aber vor allem die Herstellung von dort eingesetzten, synthetischen Stickstoffdüngern und Pestiziden CO2-Emissionen. Treibhausgase können außerdem entstehen, wenn zu viel oder zur falschen Zeit gedüngt wird.
Beim biologischen Anbau setzt man dagegen neben organischem Dünger auf sogenannte Gründüngung, das heißt Pflanzen, die das Feld auf natürliche Art düngen. Eine besonders schlechte Klimabilanz hat Obst und Gemüse aus Gewächshäusern. Denn die müssen im Winter beheizt und das ganze Jahr bewässert werden. So verbraucht beispielsweise eine Tomate im Treibhaus 200 Mal mehr Energie als Freilandgemüse. Bei Obst und Gemüse liegt Öko vorne - laut Berechnungen des Freiburger Öko-Instituts produzieren Bioprodukte im Mittel etwa 15 Prozent weniger CO2-Emissionen als herkömmliche Ware. [2]
Tierisches
In punkto Fleisch, Wurst und anderen tierischen Produkten kommen sowohl das Öko-Institut [2] als auch foodwatch [3] zum Ergebnis: Biologisches liegt vor Konventionellem. Allerdings: Unabhängig davon, ob die Produkte vom Öko- oder herkömmlichen Bauernhof stammen - die CO2-Emissionen sind bei tierischen Produkten sehr viel höher als bei pflanzlichen. Absolute Spitzenreiter sind Erzeugnisse vom Rind. So verursacht ein Kilogramm des Spitzenreiters Butter im Gegensatz zu einem Kilogramm Gemüse beispielsweise CO2 in Höhe von:
Ein wesentlicher Grund für die hohen Butterwerte ist die Tatsache, dass für ein Kilogramm Butter mehr als 20 Liter Milch benötigt werden.
Lange Wege
Egal ob konventionelle oder biologische Ware: Je weiter gereist, desto schlechter fällt die Ökobilanz aus. Insbesondere leicht Verderbliches und nicht-saisonale Produkte werden auch mit dem Flugzeug ins Land geschafft, was die CO2-Emissionen erheblich in die Höhe treibt. Dabei handelt es sich teilweise auch um Massenware wie Weintrauben aus Südafrika oder Walnüsse aus Kalifornien.
Aber auch hiesige, nicht saisonale Produkte können das Klima belasten. Bestes Beispiel dafür sind Äpfel. Im Oktober geerntet, werden sie erst Monate später mit Lkw durch die Republik zu den Geschäften gefahren. In der Zwischenzeit müssen sie kühl gelagert werden. Auch das treibt die CO2-Werte in die Höhe. Aber auch die heimischen Lageräpfel schneiden gegenüber Schiffstransporten aus weiter Ferne immer noch deutlich günstiger ab. Wenig ökologisch sinnvoll sind allerdings lange Fahrten mit dem Pkw, nur um beim Bio-Bauern einkaufen zu können.
Bioprodukte und Gesundheit
Ob Bioprodukte mehr Vitamine, Mineralien und gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe enthalten, ist wissenschaftlich umstritten. Was Schadstoffbelastungen angeht, schneiden Obst und Gemüse aus ökologischem Anbau, ohne Einsatz von synthetischen Pflanzenschutz- und Düngemitteln, besser ab als solche aus konventionellem Anbau. Für eine gesunde Ernährung kommt es - ob bio oder konventionell - auf die Ausgewogenheit an. Denn zu viel Bio-Pommes oder Bio-Pizza sind langfristig genauso ungesund wie herkömmliche Gerichte dieser Art. Fest steht aber: Im Gegensatz zu herkömmlichen Produkten finden sich bei ökologischen Produkten
- so gut wie keine Pestizidrückstände,
- deutlich weniger Nitrate,
- weit weniger Zusatzstoffe,
- geringerer Arzneimitteleinsatz.
Außerdem: Tiere auf dem Ökohof werden artgerecht gehalten.
Persönliche Bilanz
Für die Reduzierung der persönlichen CO2-Bilanz gilt: Produkte aus ökologischem Anbau verursachen in der Regel weniger Treibhausgase als herkömmliche Ware. Tierische Produkte schaden dem Klima grundsätzlich sehr viel mehr als Pflanzenkost. Mit Biogemüse und Ökoobst der Saison und aus der Nähe ist man immer gut beraten.
[1] Umwelt Bundes Amt - CO2-Emissionen
[2] Link zum PDF "Treibhausgasemissionen durch Lebensmittel", S. 5
Stand: 14.08.2009
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