Papierflieger aus Geldschein; Rechte: istockphoto

 

Was denken Verbraucher über Ausgleichszahlungen für den Klimaschutz?

Interview über die erste Verbraucherbefragung zur Kompensation

Was wissen Verbraucher über CO2-Kompensation? Für welche Produkte und Dienstleistungen haben sie bereits Kompensationsangebote genutzt? Erstmals wurden Verbraucher befragt, wie sie zu Kompensationsangeboten stehen. Ein Interview mit Julia Balz, zuständige Referentin beim Verbraucherzentrale Bundesverband, über die Ergebnisse der Befragung.

Erstmals wurde die Einstellung der Konsumenten zu Treibhausgaskompensationen untersucht. Was wissen die Verbraucher über dieses Thema?

Balz: Als wir die Studie in Auftrag gegeben haben, sind wir davon ausgegangen, dass das Thema Kompensation für Verbraucher ein Nischenthema ist. Umso erstaunter waren wir, als über 70 Prozent der Befragten angaben, schon einmal den Begriff der Treibhausgaskompensation gehört zu haben. Allerdings weiß nur die Hälfte von ihnen genaueres darüber, wie Kompensation funktioniert. Es besteht also noch großer Informationsbedarf.

Knapp die Hälfte der Befragten konnte sich vorstellen zu kompensieren, erst 7,5 Prozent haben es getan. Woran hapert es noch bei der Umsetzung?

Balz: Zum einen gibt es das klassische Dilemma: Ein Konzept gut finden, und dann konkret Geld dafür ausgeben sind zwei völlig unterschiedliche Dinge. Bislang ist Kompensation in Deutschland noch ein Nischenmarkt – es ist also gar nicht davon auszugehen, dass alle Verbraucher mit einem Produkt oder einer Dienstleistung zu tun haben, die sie kompensieren können.

Lässt sich ein Profil für die Nutzer von Kompensationsangeboten erstellen?

Balz: Es gibt schon eine Tendenz, dass eher jüngere Menschen mit einer höheren Bildung und größerer Mobilität Kompensationsangebote nutzen. Ebenso Menschen, die in einem städtischen Umfeld wohnen oder ihr Umfeld so einschätzen. Vielflieger und Autobesitzer machen eher von Kompensationsangeboten Gebrauch. Das kommt vermutlich daher, dass sie bereits mit dem Thema Kompensation in Berührung gekommen sind.

Der Markt für Kompensationsangebote wächst rasant und weitet sich auf immer mehr Produkte und Dienstleistungen aus. Ist Kompensation in allen Bereichen sinnvoll?

Balz: Es ist immer sinnvoller, Treibhausgasmissionen von vorneherein zu vermindern oder am besten ganz zu vermeiden. Denn Kompensation kann die Klimabelastung nicht senken, sondern nur ausgleichen. Die Regel sollte sein: Emissionen vermeiden, verringern und kompensieren. Erst wenn sich Emissionen nicht vermeiden lassen, sollte kompensiert werden. Für welche Produkte oder Dienstleistungen das geschieht, ist letztendlich gar nicht so entscheidend.

Eine Schlussfolgerung der Befragung war, dass Verbraucher ihre Entscheidung für einen Kompensationsanbieter aus dem Bauch heraus treffen. Ein Fehler?

Balz: Eine weitere aktuelle Studie von uns hat gezeigt, dass es erhebliche Unterschiede in der Güte der Angebote von Kompensationsdienstleistungen gibt. Für Verbraucher ist es sehr schwierig, alle Aspekte für die Beurteilung zu kennen und anzuwenden. Hilfreich wäre ein einheitlicher Standard oder ein Siegel, das den Verbrauchern die Beurteilung erleichtert. So lange es das nicht gibt, müssen Verbraucher sich anders orientieren. Dazu können sie unseren Marktcheck und die Ergebnisse unserer Studie verwenden. Eine grobe Orientierung bietet derzeit der Gold-Standard. Dieser wird von 60 Nichtregierungsorganisationen, die Kompensationsprojekte durchführen, anerkannt.

Die erwähnte Studie hat 20 Anbieter auf dem deutschen Markt untersucht. Über die Hälfte davon ist empfehlenswert. Was zeichnet einen guten Anbieter aus?

Balz: Es hat uns selbst überrascht, dass so wenig schwarze Schafe unter den Anbietern zu finden waren. Der ideale Anbieter verfügt über eine hohe Transparenz, das heißt die Informationen zu den Projekten, über seine Arbeitsweise und Mittelverwendung sind leicht zugänglich und verständlich. Er berechnet die Emissionen so genau wie möglich. Immens wichtig ist die sogenannte Zusätzlichkeit der Projekte. Diese besagt, dass die eingesparten Emissionen wirklich zusätzlich eingespart werden. Außerdem sollre der Anbieter dafür sorgen, dass seine Projekte in den Durchführungsländern nachhaltig und im Einklang mit der lokalen Bevölkerung durchgeführt werden.

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Julia Balz

Referentin beim Verbraucherzentrale Bundesverband

Julia Balz ist seit 2009 Referentin für klimaschonenden Konsum und Ernährung beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Sie war verantwortlich für die Studie und die Verbraucherbefragung zur Kompensation, die von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde durchgeführt wurden.

Stand: 14.10.2010

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Materialien zum Download

Studie zu Treibhausgas-Kompensationsanbietern in Deutschland Hochschule für nachhaltige Entwicklung, Eberswalde (PDF, 111 Seiten, 3,1 MB) Zusammenfassung der Studie zu Kompensationsanbietern Hochschule für nachhaltige Entwicklung, Eberswalde (PDF, 7 Seiten, 124 KB) Verbraucherbefragung: Kompensation von Treibhausgasen Zusammenfassung der Hochschule für nachhaltige Entwicklung, Eberswalde (PDF, 96 Seiten; 5,2 MB)

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