Klimalexikon
Klimalexikon
Kipp-Punkte
Kipp-Punkte
Kipp-Punkte sind Großrisiken im Klimasystem. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie tatsächlich eintreten, wird jenseits eines bestimmten Temperaturanstiegs - der jeweiligen Kipp-Punkte - deutlich erhöht. Würden diese Schwellenwerte überschritten, könnten abrupte, starke und unwiderrufliche Veränderungen einsetzen, die durch ihre direkten sowie indirekten Folgen global unzumutbare Schäden für Mensch und Natur erwarten ließen. Diese Abschätzung betrifft unter anderem die negativen Auswirkungen für Ökosysteme, die Nahrungsmittelproduktion und eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung.
Es könnte sogar ein „galoppierender Treibhauseffekt“ ausgelöst werden, wenn sich diese Effekte durch ihre Wechselwirkungen gegenseitig aufschaukeln. Viele Wissenschaftler halten es daher für notwendig, den mittleren globalen Temperaturanstieg auf unter zwei Grad gegenüber vorindustriellem Niveau zu begrenzen, um einen in großem Maßstab gefährlichen Klimawandel zu vermeiden. Es ist also höchste Zeit, eine Trendumkehr bei den Emissionen einzuleiten.
Wenn die Temperaturen zwischen 1,5 und 2,5°C steigen, erhöhen sich damit auch die die Risiken enorm. Eine Konzentration von 450 ppm [5] CO2 in der Atmosphäre galt als der Wert, bei dem die Temperaturerhöhung unter der für die Kipp-Punkte kritischen Wert von zwei Grad bleiben könnte. Neuere Studien sehen diese Konzentration bei 350 ppm. Wenn das Risiko einer Erwärmung von mehr als zwei Grad auf 25 Prozent begrenzt werden soll, müssen die globalen Emissionen von Treibhausgasen bis 2050 um mehr als 50 Prozent gegenüber 1990 gesenkt werden. Das bedeutet eine Reduktion in Industrieländern um mehr als 90 Prozent.
(parts per million, auf deutsch: Teile von einer Million)
Klimabilanz
Klimabilanz
Wie viele Treibhausgase im Alltag in die Atmosphäre eingebracht werden, lässt sich durch CO2-Äquivalente berechnen und vergleichen. Durchschnittlich 11 Tonnen CO2-Äquivalent verbucht jeder Bundesbürger pro Jahr in seiner Klimabilanz. Indem er zum Beispiel heizt, kocht, zur Arbeit pendelt, mit dem Flugzeug fliegt, das Licht anschaltet oder sich Dinge kauft, für deren Herstellung Energie verbraucht wurde.
In den USA liegt der CO2 Ausstoß bei knapp 20 Tonnen, in Bangladesh bei etwa 240 kg pro Mensch. Nach Berechnungen des Weltklimarates [1] müsste der Ausstoß an Treibhausgasen drastisch gesenkt werden - bis zum Jahr 2050 auf unter 2.000 Kilogramm CO2-Äquivalent pro Kopf. [2] Ansonsten wäre ein sich selbst verstärkender Klimawandel nicht zu stoppen.
Ihre persönliche Klimabilanz können Sie mit unserem CO2-Rechner überprüfen.
Klimaschutzinitiative
Klimaschutzinitiative
Mit der Klimaschutzinitiative möchte die Bundesregierung seit Anfang des Jahres 2008 vorhandene Potenziale zur Emissionsminderung erschließen und innovative Modellprojekte für den Klimaschutz voranbringen. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) fördert Klimaschutzmaßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz und der verstärkten Nutzung erneuerbarer Energien. Darüber hinaus unterstützt es Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel sowie zum Schutz klimarelevanter biologischer Vielfalt in Entwicklungs- und Schwellenländern.
Finanziert wird die Initiative aus der Versteigerung von Emissionshandelszertifikaten. Im Jahr 2008 standen insgesamt 400 Millionen Euro bereit, von denen 280 Millionen Euro in Deutschland und 120 Millionen Euro in Schwellen- und Entwicklungsländern investiert wurden. Für 2009 wurden die Mittel auf 460 Millionen Euro aufgestockt.
Klimawandel
Klimawandel
Auf der Erde herrscht normalerweise eine Durchschnittstemperatur von etwa 15 Grad Celsius. Für diese Temperatur, die das Leben und seine Vielfalt erst ermöglicht, sorgt der natürliche Treibhauseffekt. Er entsteht, wenn die Sonnenstrahlen von der Erde zurück in die Atmosphäre reflektiert werden, ein Teil davon jedoch die Gasschicht der Erde nicht mehr durchdringen kann und so für eine angenehme konstante Durchschnittstemperatur sorgt.
Der Klimawandel ist nicht neu: Das Klima der Erde hat sich im Laufe der Jahrtausende stetig verändert. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts aber greift der Mensch in die Klimaprozesse ein. Die Folge: Die durchschnittliche globale Temperatur der Erde hat sich mit dem Klimawandel der letzten 100 Jahren um circa 0,74 Grad Celsius erhöht, besonders extrem seit den 1970er Jahren.
Eine Ursache für den Klimawandel ist der wachsende Strombedarf vor allem in den Industrieländern. Für Straßenverkehr und Heizungen werden immer mehr Erdöl und Kohle verbrannt, immer mehr Regenwaldflächen gerodet. Dadurch gelangen zunehmend Treibhausgase wie Kohlenstoffdioxid, Methan, Lachgas und Ozon in die Atmosphäre und halten dort noch mehr Wärmerückstrahlung der Sonne zurück - die durchschnittliche Temperatur auf der Erde stieg. Diese Form des Klimawandels wird als anthropogener Klimawandel (vom Menschen verursacht) bezeichnet.
Kompensation
Kompensation
Kompensation bedeutet, dass der Ausstoß von CO2 wieder eingespart wird. Dies kann an einem anderen Ort der Welt geschehen, denn für die Atmosphäre ist es unerheblich, wo klimaschädliches Gas eingespart bzw. ausgestoßen wird. Zunächst wird die zu kompensierende Emissionsmenge für ein Produkt oder eine Dienstleistung berechnet, anschließend wird ein Preis für die zu kompensierende Menge CO2 festgelegt. Die so ermittelten Summen fließen anschließend in Klimaschutzprojekte, die zur Verringerung einer entsprechenden Menge an Emissionen beitragen. Kompensation kann immer nur die zweitbeste Lösung sein - viel besser ist es, Treibhausgase gar nicht erst zu emittieren.
Kyoto
Kyoto
Die Stadt in Japan war Schauplatz des dritten Klimagipfels der Vereinten Nationen im Jahr 1997 und ist zum Synonym für den Fortschritt, aber auch für die Schwierigkeiten beim weltweiten Klimaschutz geworden. Im sogenannten Kyoto-Protokoll einigten sich die Industrienationen erstmals verbindlich darauf, den Ausstoß der gefährlichsten Treibhausgase zu verringern - bis 2012 um durchschnittlich fünf Prozent im Vergleich zu 1990.
Um diese Ziele zu erreichen, erlaubt das Protokoll auch den Emissionshandel unter Staaten. Es dauerte allerdings bis zum Jahr 2005, bis das Kyoto-Protokoll in Kraft treten konnte. Die USA haben das Abkommen bis heute nicht ratifiziert. Ende 2009 sollte auf dem Klimagipfel in Kopenhagen ein Vertrag für die Zeit nach 2012, dem Ende der ersten Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls, verabschiedet werden.
Allerdings konnten sich die Delegierten in Kopenhagen lediglich auf ein politisches Papier einigen. Darin wird nur das allgemeine Ziel formuliert, die Erderwärmung auf weniger als 2 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Die "Kopenhagener Erklärung" ist völkerrechtlich nicht bindend und weit entfernt von einem verpflichtenden Regelwerk für den Klimaschutz nach 2012.
Ein rechtlich verbindliches Nachfolgeabkommen zum Kyoto-Protokoll steht immer noch aus. Nächste Chance ist die kommende UN-Klimaschutzkonferenz, die vom 29. November bis 10. Dezember 2010 im mexikanischen Cancún stattfindet.


