CO2-Kompensation: Zur Qualität von Klimaschutzprojekten
Die wichtigsten Kriterien und Kennzeichnungen
Flugreisen sind schlecht fürs Klima - keine Frage. Ob Kompensationszahlungen den Schaden wieder aufwiegen oder nur das Gewissen beruhigen, ist viel schwerer zu beantworten. Dabei hängt der Erfolg eines CO2-Ausgleichs nicht nur von einer genauen Berechnung, sondern auch von der Qualität des Klimaschutzprojektes ab.
Eine Vielzahl von Klimaschutzprojekten hat den Ausbau erneuerbarer Energien und Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz zum Ziel. Mal werden Kohleöfen durch Solarkocher ersetzt, mal Diesel-Wasserpumpen umgerüstet, so dass sie effizienter arbeiten.
Weitere Beispiele sind der Bau von Biogasanlagen als Ersatz für Holzverbrennung oder der Bau von Windkraftanlagen. Meist werden die Emissionen dort eingespart, wo es am günstigsten ist: in Entwicklungsländern.
Aufforstungen zur Vermeidung von CO2-Emissionen umstritten
Auch der Schutz bestehender Wälder oder die Neupflanzung von Bäumen wird zur CO2-Kompensation angeboten, da sie CO2 aus der Luft filtern und binden. Allerdings sind Aufforstungen, von Experten den „Senkenprojekten“ zugeordnet, im Hinblick auf die CO2-Kompensation umstritten.
Denn mittelfristig kann die Aufforstung fehlschlagen und das eingebundene CO2 erneut in die Atmosphäre gelangen. Dies ist der Fall, wenn die Bäume absterben oder gar Waldbrände die Bestände zerstören.
Darüber hinaus kann Aufforstung insbesondere durch das Anlegen von Monokulturen schnell wachsender Bäume eine große Gefahr für die biologische Vielfalt sein. Auch können die Aufforstungsmaßnahmen dazu führen, dass an anderer Stelle mehr Emissionen entstehen, weil zum Beispiel umso mehr gerodet wird.
Ein weiteres Risiko stellt die Vertreibung von Bevölkerungsgruppen für Aufforstungsprojekte dar.
Sparen die Klimaschutzprojekte wirklich CO2-Emissionen ein?
Damit Projekte wirklich gut fürs Klima sind, müssen sie zahlreiche Anforderungen erfüllen. Das wichtigste Kriterium ist zweifellos das der Zusätzlichkeit: Es muss sichergestellt sein, dass ein Projekt nur deshalb umgesetzt wird, weil es durch den Kompensationsmechanismus finanziell gefördert wird. Die eingesparten Emissionen dürfen nur einmal gutgeschrieben werden.
Zudem müssen die Berechnungen, wie viel CO2 durch das Kompensationsprojekt eingespart wird, realistisch sein. Mit einem „Referenzszenario“ wird verglichen, wie viel Treibhausgase ohne das Projekt ausgestoßen würden. Besonders gut ist es, wenn das geförderte Projekt außerdem einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung im jeweiligen Land darstellt.
Wie können Verbraucher Klimaschutzprojekte beurteilen?
Es gibt eine kaum mehr zu überblickende, geschweige denn überprüfbare Landschaft von so genannten Zertifikaten, Standards und Gütesiegeln. Der regulierte Markt im Rahmen des Kyoto-Protokolls arbeitet mit einem gesetzlich verankerten Verfahren, dem Clean Development Mechanism (CDM).
Im Unterschied dazu gibt es auf dem freiwilligen Markt keine einheitlichen Qualitätsstandards und Zertifizierungsverfahren für Anbieter und Nutzer von Kompensationsprojekten.
Viele so genannte Standards sind Eigenkreationen von Unternehmen und Dienstleistungsanbietern, wobei Seriosität und Zuverlässigkeit der verschiedenen Aktivitäten stark variieren.
Gold Standard erfüllt höchste Ansprüche
Die Verbraucherallianz „fürs klima“ kann derzeit lediglich den Gold Standard uneingeschränkt empfehlen. Er ist der strengste Standard und wurde 2003 unter Beteiligung von Umweltverbänden wie dem World Wide Fund for Nature (WFF) für den regulierten Markt entwickelt und wird seit 2006 auch für freiwillige Kompensationsprojekte vergeben.
Mit dem Gold Standard werden ausschließlich Projekte zur Förderung im Bereich Energieeffizienz oder erneuerbare Energien ausgezeichnet. Kompensationsprojekte müssen eine nachhaltige Entwicklung in den Projektländern gewährleisten und sicherstellen, dass die lokale Bevölkerung in die Projektausgestaltung einbezogen ist.
Der Gold Standard garantiert im hohen Maße die Zusätzlichkeit der Projekte. Unabhängige Prüfungsunternehmen wie zum Beispiel der Technische Überwachungsdienst (TÜV) prüfen, ob die festgelegten Kriterien erfüllt sind.
Die Verbraucherallianz „fürs klima“ ließ zwanzig Kompensationsanbieter untersuchen. Lesen Sie hier die Zusammenfassung der Ergebnisse.
Stand: 06.08.2010
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Materialien zum Download
Klimabewusster unterwegs - Kompensation im Überblick Faltblatt (PDF; 600 KB) Zusammenfassung der Studie zu Kompensationsanbietern Hochschule für nachhaltige Entwicklung, Eberswalde (PDF, 7 Seiten, 124 KB) Studie zu Treibhausgas-Kompensationsanbietern in Deutschland Hochschule für nachhaltige Entwicklung, Eberswalde (PDF, 111 Seiten, 3,1 MB)
Weiterführende Links
Was denken Verbraucher über Ausgleichszahlungen für den Klimaschutz? Verbraucherbefragung zur Kompensation und Studie zu Kompensationsanbietern CO2-Kompensation für Flugreisen: Alles nur eine Frage der Rechnung? CO2-Kompensation: Wie es funktioniert und was dahinter steckt


