Kondensstreifen am Himmel; Rechte: iStock

 

CO2-Kompensation für Flugreisen: Nur drei Anbieter uneingeschränkt zu empfehlen

Ein Marktcheck der Verbraucherallianz "fürs klima"

Das Angebot für die CO2-Kompensation von Flugreisen ist vielfältig und nur schwer zu durchschauen. Deshalb hat die Verbraucherallianz "fürs klima" das Angebot von Reiseveranstaltern, Fluggesellschaften sowie reinen Kompensationsanbietern untersucht. Ausschlaggebend für die Bewertung waren die Berechnung der CO2-Emissionen und die Qualität der geförderten Klimaschutzprojekte.

Für den Marktcheck wurden von Mai bis Juli 2010 die Internetangebote von 23 Anbietern vom Institut für Tourismus- und Bäderforschung (N.I.T.) im Auftrag des vzbv unter die Lupe genommen: Portale von vier Reiseveranstaltern, elf Fluggesellschaften und acht spezialisierten Kompensationsagenturen. Insgesamt wurden 403 Flugkompensationen beispielhaft berechnet.

Nicht alle Einflussfaktoren berücksichtigt

Die Berechnung von CO2-Emissionen ist bei Flugreisen sehr komplex. Der Kerosinverbrauch hängt zunächst vom Typ des Flugzeugs ab. Für eine möglichst genaue Erfassung ist außerdem die Zahl der Zwischenlandungen wichtig, denn bei Start und Landung ist der Treibstoffverbrauch besonders hoch.

Weiterhin müssen nicht nur die zurückgelegte Entfernung, sondern auch die Zahl der Reisenden im Flieger berücksichtigt werden. Doch nicht alle Anbieter berücksichtigen diese Faktoren.

Flughöhe entscheidend für die Berechnung der CO2-Werte

Schließlich sollte die Emissionsberechnung berücksichtigen, dass die Flugzeuge CO2 und weitere Treibhausgase nicht auf der Erdoberfläche, sondern in großer Höhe ausstoßen, wo sie besonders klimaschädlich wirken.

Das Umweltbundesamt empfiehlt deshalb einen Korrekturfaktor, der die Netto-Emission des Flugzeugs mit der Zahl drei multipliziert (sogenannter RFI-Faktor.) Aber nicht alle Kompensationsanbieter rechnen mit diesem Faktor oder setzen ihn in dieser Höhe an. Keine der untersuchten und mehrfach befragten Airlines gab an, den RFI oder einen ähnlichen Modus einzusetzen.

Eigenwillige Verfahren für die Abwicklung der CO2-Ausgleichszahlungen

Doch auch weniger komplizierte Aspekte trüben das Bild der getesteten Kompensationsdienstleister. So konnten einige Flugverbindungen nicht berechnet werden, weil der Emissionsrechner eingetragene Flughäfen nicht kannte, darunter große Drehkreuze wie Frankfurt am Main oder München. Ein Reiseportal bot die Kompensation nur an, wenn sie bereits im ersten Schritt der Flugbuchung ausgewählt wurde.

Insgesamt zeigte sich, dass für viele der getesteten Verbindungen die Berechnung des Kompensationspreises nicht möglich war: Fast jeder zehnte Kompensationsversuch scheiterte an den Unzulänglichkeiten der eingebundenen Rechner.

Tragen die geförderten Projekte wirklich zum Klimaschutz bei?

Entscheidend für eine echte Kompensation ist neben einer realistischen Rechnung auch die Qualität der Klimaschutzprojekte. So ist bei der Förderung von Aufforstungsprojekten nicht sicher, ob das durch die Pflanzen gespeicherte CO2 nicht später, zum Beispiel durch Verbrennung, wieder freigesetzt wird.

Die Aufforstung kann sich außerdem negativ auf Ökologie und lokale Ökonomie auswirken. Im Marktcheck der Verbraucherallianz „fürs klima“ führten Aufforstungsprojekte deshalb zu einer Abwertung des Testergebnisses.

Nachhaltige Entwicklung geht über die CO2-Einsparung hinaus

Ein weiteres Kriterium für gute Kompensationsleistungen ist die Nachhaltigkeit. Dazu gehört vor allem die Beachtung von sozialen und wirtschaftlichen Belangen in den Regionen, in denen die Projekte umgesetzt werden. Umweltverbände wie der World Wildlife Fund (WFF) haben gemeinsam Kriterien zusammengestellt, mit denen die Qualität von Klimaschutzprojekten geprüft werden kann, den sogenannten Gold Standard.

Dieses Gütesiegel garantiert unter anderem das wichtigste Prinzip von Kompensationsprojekten überhaupt: das der Zusätzlichkeit. Dies bedeutet, dass die CO2-Vermeidung durch ein Projekt wirklich zusätzlich ist und nicht auch durch andere Maßnahmen realisiert worden wäre.

Projekte, die mit dem Gold Standard ausgezeichnet sind, erfüllen höchste Anforderungen und können von der Verbraucherallianz „fürs klima“ uneingeschränkt empfohlen werden.

Schlechte Noten für die Benutzbarkeit der Internetangebote

Zweifellos ist die Thematik der CO2-Ausgleichszahlungen kompliziert und verlangt Verbrauchern einiges ab. Umso wichtiger ist die bedienungsfreundliche Handhabung von Kompensationsleistungen im Internet. Der Marktcheck ergab: Im Bereich „Online-Angebot und Handling“ erhielten nur drei Anbieter die Wertung „uneingeschränkt empfehlenswert“.

Die Einbindung der kompensationsfähigen Angebote auf den Online-Portalen ist insgesamt eine deutliche Schwachstelle. So beschränken zwei Portale ihr Kompensationsangebot auf Teilsegmente (Pauschalreisen und Events und Tickets), für die eigentliche Nur-Flugbuchung stehen keine Kompensationsangebote zur Verfügung.

Bei den Airlines ist die Kompensation meist nicht im Buchungsverlauf integriert, sondern muss separat bei kooperierenden Kompensationsanbietern angefordert werden.

Nur drei Kompensationsanbieter uneingeschränkt zu empfehlen

Die untersuchten Kompensationsagenturen betreiben ihr Geschäft insgesamt am ernsthaftesten. Bei der Gesamtbewertung schnitten lediglich drei der insgesamt 23 untersuchten Kompensationsdienstleister mit der Wertung „uneingeschränkt empfehlenswert“ ab - allesamt spezialisierte Kompensationsdienstleister. Keine der untersuchten Airlines konnte den Anforderungen genügen.

Stand: 06.08.2010

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