Weltkugel mit Männchen, Rechte: iStock

 

Verbrauchern den Klimaschutz erleichtern - Forderungen zum Klimagipfel

Positionspapier des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) zu den UN-Klimaschutzverhandlungen in Kopenhagen und dem nationalen Klimaschutz

Bis zum 18. Dezember verhandeln 192 Nationen in Kopenhagen über ein neues Klimaschutzabkommen. Die Ziele für den Klimagipfel sind hoch gesteckt: Auf der Konferenz soll ein Folgevertrag für das Abkommen von Kyoto, das 2012 ausläuft, augehandelt werden. Wir fordern die Bundesregierung und die deutsche Wirtschaft dazu auf, die Weichen für einen verbraucherfreundlichen Klimaschutz zu stellen.

Verbraucher können und wollen ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Doch die Rahmenbedingungen sind dafür noch nicht ausreichend. Es fehlen Produkte, Richtlinien und Gesetze, damit Verbraucher Klimaschutz im Alltag ohne Hürden umsetzen können. Für viele ist es noch immer leichter und günstiger, sich klimabelastend zu verhalten als klimaschonend zu konsumieren.

Wirtschaft, Politik und Wissenschaft sowie staatliche und nichtstaatliche Organisationen müssen Verbraucher in ihrem Bemühen unterstützen, klimaverträglicher und dabei energie- und ressourcengerechter zu leben. Nur so können Verbraucher einen wichtigen Beitrag zum Ziel der bundesweiten CO2-Reduktion leisten.

Zudem schließen wir uns den Forderungen der internationalen Kampagne von Consumers International (CI)  an, die einen nachhaltigen Zugang zu Energie und Energieeffizienz für alle Menschen erreichen möchte.

Anlässlich der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen rufen wir, die Verbraucherallianz "fürs klima", die Bundesregierung und die deutsche Wirtschaft deshalb auf, die Weichen für einen verbraucherfreundlichen Klimaschutz zu stellen.

Die wichtigsten Forderungen aus Verbrauchersicht

Die Bundesregierung muss die selbst gesteckten nationalen Klimaschutzziele konsequent umsetzen. Danach soll der Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) bis 2020 um 40 Prozent und bis 2050 um 95 Prozent im Vergleich zu 1990 sinken.

Damit die Verbraucher ihren Beitrag dazu leisten können, muss die Politik die Rahmenbedingungen für einen klimaverträglichen Konsum und für klimaverträgliches Verhalten verbessern.

  • Die Bundesregierung muss sich auf der UN-Klimaschutzkonferenz in Kopenhagen für ein global gerechtes, rechtlich verbindliches Klimaschutz-Abkommen einsetzen, das den weltweiten Temperaturanstieg auf unter zwei Grad Celsius begrenzt.
    Ferner muss sie politische Weichen stellen, damit die selbst gesteckten nationalen Klimaschutzziele auch erfüllt werden können. 
  • Verbraucher zu klimafreundlicher Entscheidungen befähigen:
    Die Bundesregierung muss insbesondere eine klare dynamische Energieverbrauchskennzeichnung durchsetzen.
  • Erneuerbare Energien ausbauen und Energieeffizienz erhöhen:
    Die Bundesregierung muss dynamisch sinkende Grenzwerte zum Energieverbrauch etwa von Gebäuden, Elektrogeräten oder Pkw festlegen. Auch die Energieeffizienz von Gebäuden muss gesetzlich geregelt werden.
  • Einfache Zuschussprogramme für Gebäude- und Wohnungseigentümer:
    Die Bundesregierung muss Anreize schaffen für eine energieeffiziente Gebäude- und Wohnungssanierung.
  • Integrierte Klimapolitik: Klimaschutz muss in allen Politikbereichen berücksichtigt werden: Auch die öffentliche Beschaffung, die Landwirtschaft und insbesondere der Verkehrsbereich müssen ihren deutlichen Beitrag zur Umsetzung der nationalen Klimaschutzziele leisten. Um die Beiträge der Bereiche zu koordinieren und zu kontrollieren, fordern wir eine ressortübergreifende Kompetenzstelle.

Hintergrund

Verbraucher sind von den direkten ökologischen und wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels betroffen. Weltweit veränderte, zumeist unsichere Erträge in der Landwirtschaft wirken sich auf viele Produkte aus. Durch den Klimawandel werden Reiseziele unattraktiv, andere Tourismuszen-tren entstehen. Der Klimawandel verändert schon heute unsere Konsummuster.

Verbraucher werden von einer engagierten Klimaschutzpolitik profitieren. Das betrifft nicht nur die Verbraucher in den entwickelten Staaten, sondern insbesondere auch die Hauptbetroffenen des Klimawandels in den Schwellen- und Entwicklungsländern.

Verbraucher haben ein erhebliches Potenzial, um den Klimaschutz voranzubringen. So werden etwa in Deutschland über 20 Prozent aller CO2-Emissionen durch den Verkehr verur-sacht.  Auch der Anteil der Ernährung an den Treibhausemissionen beträgt etwa ein Fünftel: Hierein fallen Anbau, Verarbeitung und Zubereitung von Lebensmitteln. Dabei halten Ver-braucher das Thema „Klimaschutz“ für sehr wichtig, rund 80 Prozent wollen einen Beitrag leisten und zukünftig auch noch mehr für den Klimaschutz tun.

Verbraucher wollen Energie sparen, um ihre Haushaltskasse zu entlasten. Private Haushalte tragen erheblich zum Gesamtenergieverbrauch bei, in Deutschland liegt der Anteil bei gut 28 Prozent. Gleichzeitig liegt in Privathaushalten ein riesiges Potential für Energieeinsparungen. Durch geeignete Effizienzmaßnahmen können mindestens 50 Prozent der Wärmeenergie eingespart werden. Der Stromverbrauch kann durch den Einsatz moderner Geräte und die Optimierung des Nutzerverhaltens um wenigstens 30 Prozent gesenkt werden. Dadurch wird der Ausstoß beachtlicher Mengen CO2 vermieden. Das schont Konto und Klima.

Die UN-Klimaverhandlungen in Kopenhagen (07.-18.12.2009) werden die Weichen für den weltweiten Klimaschutz in der nächsten Dekade stellen. Sie sollen den weltweiten Emissionspfad für die Zeit nach der Kyoto-Verpflichtungsperiode ab 2013 festlegen und die Zahlungen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels und Klimaschutz in den Schwellen- und Entwicklungsländer regeln.

Stand: 07.12.2009

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Materialien zum Download

Positionspapier zu Kopenhagen Forderungen an Politik und Wirtschaft - ausführliche Fassung (PDF; 124 KB)

Fotostrecke

Klima-Schutzengel in Kopenhagen Klima-Schutzengel des vzbv warben für Klimaschutz aus Verbrauchersicht Klima-Schutzengel weltweit "Was tun Sie fürs Klima?" - Eine Straßenumfrage in Kopenhagen

Weiterführende Links

Momentaufnahmen aus Kopenhagen Klima-Schutzengel des vzbv berichten vom Klimagipfel Klimaschutz ein Gesicht geben Klima-Schutzengel bei Großdemonstration in Kopenhagen Klimaschutz - eine weltweite Herausforderung Eine Chronologie der internationalen Klimapolitik von 1979 bis heute Klimagipfel 2009 Website der Klima-Allianz mit Informationen zu Aktivitäten und Kampagnen in Deutschland und Kopenhagen Consumers International (CI) Portal der Internationalen Verbraucherorganisation mit zahlreichen Informationen zum Klimagipfel in Kopenhagen (englischsprachig) Studie zum Gipfel in Kopenhagen Zusammenfassung aktueller Forschungsergebnisse, die im jüngsten Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC von 2007 noch nicht enthalten sind (englischsprachig) Studie zum Gipfel in Kopenhagen Zusammenfassung (deutschsprachig; PDF, 1 Seite)

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