Pressemitteilung: Produktinformation zwischen Wahrheit und Täuschung

Verbraucherzentrale Hessen prüft Werbung mit Klimaschutzargumenten: Wer sind die größten Grünfärber?

Klimaschutz liegt voll im Trend und die Industrie hat sich längst darauf eingestellt. Viele Unternehmen werben mit Schlagworten wie „klimafreundlich“, „klimaneutral“ oder „klimaschonend“ für ihre Produkte und Dienstleistungen. Doch was steckt hinter diesen Werbeaussagen? Die Verbraucherzentrale Hessen e.V. moniert fehlende verbindliche Standards bei Werbung mit Klimaschutzargumenten, will Verbraucher dabei unterstützen zwischen Wahrheit und Etikettenschwindel zu unterscheiden und gegen irreführende Werbung mit juristischen Mitteln vorgehen. Die Verbraucherzentrale ruft deshalb im Rahmen der bundesweiten Kampagne "für mich. für dich. fürs klima." alle Verbraucher dazu auf, Hinweise auf Werbung zu sammeln, die mit Begriffen wie "Klima", "CO2", "klimaneutral" oder "klimafreundlich" für Produkte oder Dienstleistungen werben.

"Vor allem Autobauer und Energieunternehmen geben ihren Produkten einen 'grünen Anstrich'", beobachtet Peter Lassek, Referent für Verbraucherrecht und -politik bei der Verbraucherzentrale Hessen. Opel etwa bewirbt seinen Zafira ecoflex Turbo mit dem Slogan "Gas geben mit gutem Gewissen". Peugeot hat gerade erst auf der Frankfurter Internationalen Automobilausstellung sein "Null-Emissions-Elektroauto" iOn präsentiert und mancher Autohersteller wirbt gar mit einem "klimafreundlichen CO2-Ausstoß". Energieversorger bieten "nachhaltige Energieversorgung".  Der Darmstädter Versorger Entega verspricht bei seinem Produkt "NATURbalance-Erdgas" Klimaneutralität durch Aufforstung. Die E.ON-Tochter e-wie-einfach verkauft mit ihrem "MeinKlima-Tarif" Strom,  bei dem zur Kompensation der CO2-Menge, die bei der Erzeugung der im Haushalt verbrauchten Strommenge entsteht, die Unterstützung von international anerkannten Klimaschutz-Projekten zugesichert wird.

Produktinformation oder Etikettenschwindel?

Klimabezogene Werbung findet sich branchenübergreifend, von der klimaneutralen Tomate über das klimafreundliche Restaurant bis hin zur klimaneutralen Internetsuche. Will man der Werbung glauben, so lässt sich das ganze Leben klimaneutral gestalten. Ob es sich um ehrliche Produktinformation oder Etikettenschwindel handelt, können die Verbraucher oft nicht erkennen, klare Regeln und Standards für Klima-Werbung fehlen sowohl in der Gesetzgebung als auch in der Rechtsprechung deutscher Gerichte.

Mehr Transparenz gerfordert

Das Meinungsforschungsinstitut Prognos fand im Auftrag der Verbraucherallianz "für mich. für dich. fürs klima." heraus, dass sich die Verbraucher ein hohes Klimabewusstsein bescheinigen. Hemmnisse für klimafreundliches Verhalten sehen sie jedoch in mangelnder Transparenz und einem zu geringen Angebot an Klima schonenden Produkten und Dienstleistungen.

Mit dem aktuellen Verbraucheraufruf wollen die Verbraucherzentralen zunächst Hinweise auf Werbung mit Klimaschutzargumenten sammeln. "Ziel der Aktion ist es", so die Verbraucherzentrale Hessen, "den Markt transparenter zu gestalten und Regeln für 'grüne Werbung' zu entwickeln". Zeitungsanzeigen, Produktaufkleber, Werbezettel, Hinweise auf Internetseiten, TV- oder Radiospots oder Fotos von Produkten, auf denen mit "Klima"-Schlagworten geworben wird, können direkt an die Verbraucherzentrale Hessen, Große Friedberger Straße 13-17, 60313 Frankfurt geschickt, per E-Mail an die Verbraucherzentrale Hessen gemeldet (klimaschutzberatung@verbraucher.de) oder im Internet per Online-Formular (siehe rechts bei "Weiterführende Links") eingetragen werden. Werbeanzeigen und Produktverpackungen können auch direkt in den Beratungsstellen der Verbraucherzentrale Hessen abgegeben werden.

Die Verbraucherzentralen prüfen die Angaben und gehen gegebenenfalls mit juristischen Mitteln gegen die Werbung vor. Ziel der Aktion ist es, den Markt transparenter zu gestalten und Regeln für "grüne Werbung" zu entwickeln.

Stand: 20.11.2009

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