Pressemitteilung: Pro oder Contra Elektromobilität? - So einfach ist es nicht
Das Thema Elektromobilität ist dieser Tage dank des entsprechenden nationalen Entwicklungsplanes der Bundesregierung in aller Munde. Auch die Verbraucherzentrale beschäftigt im Rahmen ihrer Projekte rund um die Themen Energie und Klima die Frage, ob dies nun der Durchbruch zu neuer Mobilität im Sinne des Umweltschutzes oder nur eine Verlagerung der Energie- und Klimaproblematik von einer CO2-Quelle zur anderen ist. Im Besonderen analysiert die Verbraucherzentrale naturgemäß auch den Nutzen für den Verbraucher.
Die nun vorgesehene Erhöhung der Anzahl der Elektroautos auf 10 Millionen bis zum Jahr 2030 verspricht viele Vorteile, der tatsächliche Nutzen für Mensch, Umwelt und Wirtschaft hängt jedoch von der praktischen Umsetzung ab.
Der Wirkungsgrad eines Elektromotors kann bei entsprechender technischer Ausgereiftheit höher sein als der von Verbrennungsmotoren. Das Versprechen, dass Elektromobilität die CO2-Emissionen reduziert, kann jedoch nur eingelöst werden, wenn diese Autos ausschließlich mit Strom aus regenerativen Energiequellen „betankt“ werden. Deren Anteil am aktuellen bundesdeutschen Strommix beträgt jedoch erst 15 Prozent. Der Rest setzt sich aus 23% Atomstrom und 62% Prozent Strom aus Kohle, Öl und Gaskraftwerken zusammen. Die Energieeffizienz bei der Produktion von Kohle- oder Kernenergie liegt bei 35-45%, d.h. dass schon durch die Bereitstellung des Stroms für ein Elektrovehikel so viel CO2 ausgestoßen wird, wie bei herkömmlichen Diesel- oder Benzinmotoren. Die Agentur für Erneuerbare Energien belegt, dass eine Versorgung der Elektroautos mit Strom aus erneuerbarer Energie mengenmäßig unproblematisch wäre.
Die private Nutzbarkeit eines Elektroautos ist für deutsche Verbraucher jedoch noch nicht gegeben. Die technische Entwicklung der Batterien ist noch nicht ausreichend vorangeschritten, um eine serienmäßige und bezahlbare Produktion zu ermöglichen. Sicherlich wird dies in einigen Jahren der Fall sein, jedoch prognostizieren Fachleute auch weiterhin sehr hohe Anschaffungskosten. Wenn es tatsächlich so sein wird, dass ein strombetriebenes Fahrzeug auch in den nächsten Jahren etwa 50% teurer sein wird als ein herkömmliches Auto, also 10.000 bis 20.000€ Mehrkosten verursacht, wird auch die Einsparmöglichkeit durch geringere Kosten beim Aufladen der Batterie im Vergleich zum Tanken von Benzin oder Diesel nicht zu einem Boom für die Elektromobilität werden.
Bei einem voraussichtlichen Bedarf von 12-18kWh/100km und Stromkosten von 20 Cent pro Kilowattstunde wäre die Rentabilität erst bei einem wesentlich geringeren Kaufpreis gegeben.
Weitere Aspekte einer strombasierten Fortbewegung sind ebenfalls selten eindeutig als positiv oder negativ einzustufen. Ein Elektroauto fährt beispielsweise leise und abgasfrei, das Problem vollgestopfter Autobahnen, lästiger Parkplatzsuche und der Reduzierung von Platz für Grünanlagen und Freiflächen in Städten löst es jedoch nicht. Zukunftsorientierte Mobilität muss die Möglichkeiten des öffentlichen Nahverkehrs mitdenken und den Ausbau von Fahrradwegen fördern. Die Studie „Mobilität in Deutschland“ hat heraus gefunden, dass es im Jahr 2008 hierzulande immer noch 42% Menschen gab, die noch nie mit dem Bus oder der Bahn gefahren sind. Glücklicherweise zeigt sich dennoch ein Trend zur Multimobilität. Das heißt, Kombinationsmöglichkeiten verschiedener Verkehrsformen werden individuell und flexibel genutzt: Berufstätige treffen sich auf park&ride-Parkplätzen und bilden dann Fahrgemeinschaften, Fernreisende stellen ihr Auto am nächstgelegenen Bahnhof ab und fahren mit dem Zug weiter, Wenigfahrer nutzen Bus, Bahn und Fahrrad und leihen sich bei Bedarf ein Auto aus. Die Möglichkeiten sind vorhanden und sie werden mehr und mehr genutzt. Das ist nach Ansicht der Verbraucherzentrale das ideale Modell für umweltverträgliche und für alle Verkehrsteilnehmer angenehme Fortbewegung. Deshalb fördert und fordert sie nicht die Detaildiskussion um die Vor- und Nachteile von Elektromobilität sondern ein umfassendes Konzept von Fortbewegung, das den unterschiedlichsten Bedürfnissen gerecht wird ohne sich einseitig auf die rein KFZ-basierte Mobilität zu konzentrieren.
Zu diesem Thema bietet das Klimaprojekt der Verbraucherzentrale Informationen auf der Internetseite www.verbraucherfuersklima.de sowie individuelle Beratung zu Mobilitätsfragen aller Art unter der Rufnummer 0800-2030900.
"für mich. für dich. fürs klima."
"für mich. für dich. fürs klima." ist eine Kampagne des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) mit den 16 Verbraucherzentralen, dem Deutschen Mieterbund (DMB), der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO), dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) dem VerbraucherService (VS) im Katholischen Deutschen Frauenbund und Germanwatch.
Die Allianz klärt mit bundesweiten Aktionen über die Chancen jedes Einzelnen beim CO2-Einsparen auf. Gegenüber Politik und Wirtschaft vertritt sie die Interessen der Verbraucher für einen Klimaschutz ohne Hürden. Unlautere Werbung mit Klimaschutzargumenten stoppt sie mit juristischen Mitteln.
Stand: 27.08.2009


