Radeln fürs Klima
Eine großes weißes Zelt, in dem sich eine Menschentraube versammelt hat, in deren Mitte das bekannte Geräusch rasender Modelautos zu vernehmen ist, dieses Bild bot sich dem Besucher der Kieler Woche, der vom 19.06.-27.06.2010 am Stand des Klimateams Schleswig-Holstein vorbeikam.
Bei schönstem Wetter präsentierte das Klimateam der Verbraucherzentrale S-H im Rahmen des Projektes für mich. für dich. fürs klima. eine etwas außergewöhnliche Form des Modellrennsports. Im Solar-Zelt neben dem Seehundbecken, welches sich die Stadt Kiel und die Verbraucherzentrale SH teilten, befand sich eine große Modellrennbahn, die sich dahingehend von anderen Bahnen unterscheidet, dass sich die Rennwagen nur mit eigener Muskelkraft antreiben lassen. Ganz nach dem Motto Muskelkraft statt Gaspedal konnten die Besucher auf dieser umgebauten Autorennbahn mit verschiedenen Wagenklassen im Kleinformat um die Wette fahren, indem sie auf Fahrrädern in die Pedale traten. Wer mit einem großen Wagen, zum Beispiel einem Ferrari an den Start ging, musste stärker in die Pedale treten als der Konkurrent mit dem sparsameren Modell, zum Beispiel dem MINI. Grund hierfür ist der erhöhte CO2-Ausstoß durch den Mehrverbrauch an Sprit.
Viele Besucher fragten sich, was die Pedalkraft mit dem CO2-Ausstoß zu tun hat. Die Fahrräder treiben mit dem Hinterrad eine Übertragungsrolle an, die die Umdrehungen und damit die Geschwindigkeit über einen Computer an das Modellauto überträgt. Das speziell von der TU-Bochum entwickelte Programm berücksichtigt dabei den spezifischen Spritverbrauch und errechnet den durchschnittlichen CO2-Ausstoß der „realen“ PKw-Modelle. Über 35 000 Besucher machten die Erfahrung, dass große Wagen wesentlich mehr Energie und damit mehr Sprit verbrauchen als sparsamere Modelle mit kleinerem Hubraum und Leistung. So sprach es sich schnell rum, dass man vom Ferrari oder Porsche lieber die Finger lassen sollte, wolle man doch eine Chance auf den Sieg haben.
Die Rennbahn war für Jung und Alt sowie für Männer und Frauen gleichermaßen eine riesen Attraktion. Viele Kinder waren dermaßen begeistert, dass sie sich gleich nach der Fahrt erneut anstellten.
Ein weiteres Highlight der Kieler-Woche-Aktion der Verbraucherzentrale war die Radtour am 21.06.2010. Zusammen mit dem renommierten Klimaforscher Prof. Dr. Motif Latif und dem Bürgermeister Herr Todeskino radelten über 50 Teilnehmer durch Kiel. Ziel war es auf die Vorteile von Fahrrädern, bei kurzen Strecken in der Stadt aufmerksam zu machen. Hier sind sie dem Auto weit und vor allem schnell voraus. Vorbei an schönen Plätzen wie dem Schrevenpark, dem Kieler Wasserturm und dem Botanischer Garten radelten die Teilnehmer bis zum Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländlicher Raum (MLUR). Die Landwirtschaftsministerin Frau Dr. Juliane Rumpf begrüßte den Tross, welcher sich mit Getränken und Gebäck für die Weiterfahrt stärkte. Nach einer kurzen Ansprache der Ministerin und ein paar worten von Prof. Dr. Latif setzte sich das Peloton wieder in Bewegung Richtung Kiellinie. Angekommen am Zelt, traten die Teilnehmer, darunter auch Herr Latif noch einmal kräftig in die Pedale, um ihre Modellrennautos als erste ins Ziel zu bringen.
Neben der Autorennbahn präsentierte das Klimateam im Zelt die Ausstellung Klima schützen kann jeder!, die weiterhin bis Ende des Jahres als Wanderausstellung durch Schleswig-Holstein tourt. Die Ausstellung zeigt, dass es für jeden ganz einfach und lukrativ ist, im Alltag das Klima zu schützen. Um die Folgen des Klimawandels abzumildern, müssen wir den Ausstoß von Treibhausgasen drastisch reduzieren. Mit viel Bildwitz zeigt die Ausstellung, wie das in den einzelnen Bereichen des Alltags, zum Beispiel Mobilität, Reisen, Ernährung oder Haushalt zu realisieren ist. Nach der Besichtigung der Ausstellung nahmen sich viele Besucher die Zeit, ihr Klimaschutzwissen mit einem Quiz am Touchscreen zu testen.
Neben der Modellrennbahn und der Ausstellung standen jeden Tag Mitarbeiter der Verbraucherzentrale, des Verkehrsclub Deutschland und der Klimateams aus verschiedenen Bundesländern interessierten Besuchern Rede und Antwort.
Hintergrund:
"für mich. für dich. fürs klima." ist eine vom BMU geförderte Kampagne des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) mit den 16 Verbraucherzentralen, dem Deutschen Mieterbund (DMB), der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO), dem Verkehrsclub Deutschland (VCD), dem VerbraucherService (VS) im Katholischen Deutschen Frauenbund und Germanwatch. Die Allianz klärt mit bundesweiten Aktionen über die Chancen jedes Einzelnen beim CO2-Einsparen auf. Gegenüber Politik und Wirtschaft vertritt sie die Interessen der Verbraucher für einen Klimaschutz ohne Hürden.


