Klima-Musterhaushalte: Ernährung
Auch unsere Ernährung hat einen Einfluss auf unsere persönliche Klimabilanz. Wie man sich klimafreundlich ernähren kann, das wollten die Bewohner einer Wohngemeinschaft im Bremer Viertel erfahren. Im Rahmen der Aktion Klima-Musterhaushalte beriet sie die Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Bremen. Generell empfahl sie der WG, auf saisonale und regionale Produkte zu achten.
Wie die meisten Verbraucher auch, wollen die vier WGler Katrin Witte, Christine Tigges, Markus Koch und Dieter Berger verlässliche Empfehlungen für ihre Ernährung haben. Woran können sie erkennen, ob Lebensmittel „klimafreundlich“ sind? Dahinter steckt eine berechtigte Frage. Was viele nicht wissen, auch durch unsere Ernährung tragen wir zum Klimawandel bei. Von den etwa 11 Tonnen CO2, die wir pro Jahr verursachen, entfallen durchschnittlich mehr als 15% auf den Bereich Ernährung. Die Hälfte der ernährungsbedingten Emissionen stammt aus der Landwirtschaft, wovon wiederum ein Großteil durch die Produktion tierischer Nahrungsmittel entsteht. Knapp ein Drittel entsteht durch den individuellen Konsum wie einkaufen, Verarbeitung von Lebensmitteln, spülen oder Essen gehen. Dazu kommen noch die Verarbeitung von Lebensmitteln durch die Hersteller und die Logistik mit Verpackung und Transport.
Welche Empfehlungen hat nun die Ernährungsberaterin der Verbraucherzentrale? Auf den Punkt gebracht empfiehlt sie der WG frische regionale und saisonale Lebensmittel. Das ist gesund und in der Regel auch gut für das Klima, denn bei Produkten aus der Region entfällt ein langer Transportweg. Frisches Obst und Gemüse enthalten in der Regel auch mehr Vitamine als weit transportierte oder gelagerte Produkte. Wenn die Lebensmittel lange im Kühlhaus liegen oder in beheizten Treibhäusern gezogen werden, verschlechtert sich die Klimabilanz aber auch bei regionalen Produkten.
Regionale Produkte erkennen
Dazu muss die WG aber auch genau wissen, wann die Produkte Saison haben, betont Katrin Witte. Das sei nicht bei allen Lebensmitteln klar. Abhilfe bieten Saisonkalender, erläutert die Ernährungsberaterin. Sie zeigen beispielsweise, dass die fruchtige Saison mit Rhabarber im April beginnt und mit Quitten im November endet – auch wenn Rhabarber zum Gemüse zählt. Beim Gemüse ist die saisonale Lücke kleiner. Grünkohl hat bis Februar Saison und ab März gibt es schon wieder heimischen Spinat.
Besonders ans Herz legt die Ernährungsberaterin der WG, auf eingeflogene Lebensmittel möglichst weitestgehend zu verzichten. Als typisches Beispiel nennt sie die Flugananas. Die sei zwar oft sehr lecker, aber der Transport mit dem Flugzeug ist besonders klimafeindlich. Ein weiteres Beispiel sind Erdbeeren, die auch außerhalb der Saison in den Supermärkten zu finden sind. Damit diese frisch beim Verbraucher ankommen, müssen sie außerhalb der Saison eingeflogen werden. Im Vergleich mit den heimischen Erdbeeren verursacht der Transport der Erdbeeren das 170fache an schädlichen Klimagasen.
Lieber wenig und gutes Fleisch genießen
Zudem empfiehlt die Ernährungsberaterin der WG, den Fleischkonsum zu reduzieren. Lieber weniger und dafür mehr Qualität. Damit rennt sie allerdings offene Türen ein, denn die vier essen schon wenig Fleisch. Auch diese Problematik ist Dieter Berger bekannt. Durchschnittlich müssen sieben Kalorien pflanzlicher Futtermittel aufgewendet werden um eine Kalorie tierischer Lebensmittel zu erzeugen. Entsprechend muss für Fleisch das Siebenfache an Energie aufgewendet werden. Aber auch Milchprodukte sind – aus Klimasicht – problematisch, denn Kühe scheiden als Wiederkäuer das klimaschädliche Gas Methan aus.
Die Ernährungsberaterin geht aber nicht soweit, von Milchprodukten abzuraten, denn aus ernährungsphysiologischer Sicht sind sie sinnvoll. Sie empfiehlt daher, Milchprodukte bewusst zu kaufen und zu konsumieren. Dabei sollten Verbraucher auch überlegen, ob sie den Hartkäse ab und an durch Frischkäse ersetzen können. Grundsätzlich gelte, je mehr die Milch verarbeitet wird, desto schlechter ist die Klimabilanz. Für ein Kilo Butter fallen 23 Kilogramm CO2 an, für ein Kilo Hartkäse sind dies immerhin noch 8,5 Kilogramm und für einen Liter Milch rechnet man etwa 1 Kilogramm CO2.
Generell empfiehlt die Beraterin, verstärkt auf Lebensmittel zurückzugreifen, die wenig vorverarbeitet sind. Für jede Verarbeitungsstufe wird zusätzliche Energie benötigt und damit werden auch zusätzliche Treibhausgase verursacht. Lebensmittel vom Wochenmarkt sind nicht unbedingt teurer als Produkte aus dem Supermarkt. Günstiger als vorverarbeitete Produkte vom Discounter sind sie allemal. Sinnvoll ist es auch, den Einkauf möglichst für die Woche zu planen. Dann können Verbraucher günstiger einkaufen und müssen weniger Lebensmittel wegwerfen.
Klimatipps zur Ernährung
• mehr regionales und saisonales Obst und Gemüse essen: Während ein Kilogramm Rindfleisch 13 kg CO2 verursacht, fallen bei einem Kilogramm Obst ein halbes kg CO2 an. Ein Kilogramm Gemüse verursacht sogar nur 150 Gramm CO2.
• Im Internet findet man mittlerweile viele Kochrezepte. Hier können sich Verbraucher Anregungen suchen, was sie aus ihren regionalen und saisonalen Lebensmitteln zaubern können.
• Auf dem Bauernmarkt einkaufen. Die Lebensmittel auf Bauernmärkten stammen aus der Region.
• Einkaufsmöglichkeiten für regional erzeugte Lebensmittel können bei der Verbraucherzentrale Bremen dienstags von 10 – 13 Uhr und donnerstags von 14 – 16 Uhr unter der Durchwahl 0421/1607754 erfragt werden.
Stand: 15.12.2009



