Verbraucherzentrale Saarland
Stadtbäume für ein gutes Klima
Vortragsabend an der Universität Saarbrücken
Welchen klimatischen Herausforderungen muss sich die Stadtplanung zukünftig stellen und wie sind sie zu bewältigen? Welche Funktionen erfüllen Stadtbäume im urbanen Umfeld und wie muss eine städtische Begrünung beschaffen sein, um den klimatischen Trends entgegenzuwirken und ihre Folgen abzumildern? Diese und weitere Fragen standen im Mittelpunkt eines Vortragsabends, den das Klimateam der Verbraucherzentrale Saarland in Zusammenarbeit mit der Stadt Saarbrücken und dem Landesverband Saar des BUND am 11. August 2009 initiiert hatte.
Im Zuge der prognostizierten Erderwärmung werden Städte immer mehr zu Wärmeinseln, in denen die Sonneneinstrahlung gespeichert und die Wärmeenergie infolge der Bebauung nicht effizient abgeführt werden kann. Die Durchschnittstemperaturen im urbanen Bereich werden ohne Regulierung überproportional gegenüber der ländlichen Umgebung anwachsen. Die Frage der Stadtbegrünung ist vor diesem Hintergrund nicht mehr nur eine ästhetisch-emotionale oder gesundheitsrelevante Angelegenheit, sondern muss vor allem auch unter dem Aspekt des Klimawandels angesprochen werden.
Welchen klimatischen Herausforderungen muss sich die Stadtplanung zukünftig stellen und wie sind sie zu bewältigen? Welche Funktionen erfüllen Stadtbäume im urbanen Umfeld und wie muss eine städtische Begrünung beschaffen sein, um den klimatischen Trends entgegenzuwirken und ihre Folgen abzumildern? Diese und weitere Fragen standen im Mittelpunkt eines Vortragsabends, den das Klimateam der Verbraucherzentrale Saarland in Zusammenarbeit mit der Stadt Saarbrücken und dem Landesverband Saar des BUND am 11. August 2009 initiiert hatte. Sechs Redner aus unterschiedlichen Bereichen referierten im Musikhörsaal der Uni Saarbrücken zur Thematik.
In Saarbrücken wird es heiß und schwül
Hauptredner war Professor Dr. Andreas Matzarakis vom Meteorologischen Institut der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Einer seiner Forschungsschwerpunkte betrifft den Bereich „Stadtklima“. Eigens für seinen hiesigen Auftritt hatte er Prognoseberechnungen zur Klimaentwicklung in Saarbrücken bis zum Jahr 2071 durchgeführt, anhand derer er zeigen konnte, dass wir uns zukünftig auf zum Teil deutliche Veränderungen in der Landeshauptstadt einstellen müssen: statt bisher an 5 Tagen im Sommer wird zukünftig an 18 Tagen mit „Hitzestress“ in Saarbrücken zu rechnen sein; die Schwüle wird zunehmen und an 70 Tagen – statt wie bisher an 27 Tagen – unser Wohlbefinden beeinträchtigen. Eine Anpassung an die prognostizierte Situation macht Maßnahmen notwendig, die Klimaextreme abmildern und das städtische Kleinklima für den Menschen erträglicher machen. Die Begrünung mit Bäumen fördert die Verwirklichung dieser Zielsetzung, denn neben Luftfilterung und Sauerstoffproduktion bewirken Stadtbäume durch ihre Kronen eine Beschattung der Umgebung und erzeugen Verdunstungskühle. Sie stellen einen natürlichen Klimaregulator im lokalen Umfeld dar und können im einen oder andern Fall den Einsatz von Klimageräten/ -anlagen ersparen, die durch ihren hohen Energieverbrauch kontraproduktiv bezüglich Klimaschutzkriterien sind. Bäume sind bei hoher Effizienz und großem Nutzwert vergleichsweise billig.
Mehr als 35.000 Bäume in der Stadt – Baummanagement gefragt
Zwei Vertreter der Stadt Saarbrücken, Dr. Ingo Friedrich vom Amt für Klima- und Umweltschutz sowie Frau Carmen Dams vom Amt für Grünanlagen, Forsten und Landwirtschaft belegten mit ihren Vorträgen das Bemühen der Kommune um die Erhaltung und den Ausbau der „grünen Lunge“ der Stadt. 15.000 Bäume stünden derzeit in Parkanlagen und 20.000 auf Plätzen und in Straßen in Saarbrücken, erläuterte Dams. Dabei falle die Bilanz, die sich aus der Differenz zwischen Fällungen und Neupflanzungen ergebe positiv aus: 429 Bäume seien unterm Strich zwischen 2007 und Mitte 2009 hinzugekommen. Den Nutzeffekt von Bäumen für Umwelt und Stadtklima erläuterte Dr. Friedrich noch einmal in seinem Vortrag: Bäume produzieren Sauerstoff und binden in hohem Maße CO2, sie spenden Schatten, filtern Staub, erhöhen die Luftfeuchtigkeit, kühlen ihr Umfeld durch Verdunstung, mindern Lärm und bieten Lebensraum für viele Tiere. Baumbestände zeichnen sich also durch eine ganze Reihe positiver Effekte auf den städtischen Lebensraum aus und sind als Klimaregulatoren kaum hoch genug einzuschätzen. In diesem Bewusstsein und mit Blick auf die zukünftige Erderwärmung muss das Gebot der Stunde der Ausbau – und nicht der Abbau – von Stadtgrün sein.
Trotzdem sei der Einschlag von Bäumen nicht immer zu verhindern – das zumindest erklärten beide Vertreter der Stadt. Auch Dipl. Ing. Dirk Osterloh, Sachgebietsleiter für Baumpflege im Grünflächenamt der Stadt Fürth bestätigte diese Aussage. Selbstverständlich müsse die Verkehrssicherheit gewährleistet sein. Bei bruchgefährdeten Bäumen besteht eine Notwendigkeit zum Rückschnitt, im Extremfall zur Fällung, um ein mögliches Gefährdungspotential zu minimieren. Osterloh machte mit seinem Beitrag zum Thema allerdings auch deutlich, dass Gefährdungspotentiale und die Notwendigkeit für Baumfällungen häufig erst durch ein falsches Baummanagement entstünden. Oftmals würde in Kommunen auf fachgerechte Pflege unter qualifizierter Aufsicht verzichtet, weil entsprechende Ausgaben in den Haushalten nicht in adäquater Höhe vorgesehen seien.
Bei einer Verjüngung des Baumbestandes ist immer zu berücksichtigen, dass eine einzige 100jährige Buche – bezogen auf das Kronenvolumen – die Anpflanzung von 5.400 (!) Jungpflanzen notwendig macht, um den Ausfall zu kompensieren; so zumindest ist es in einem Artikel von Prof. Francesco Ferrini, dem Präsidenten der International Society of Arboriculture in Italien nachzulesen. [1]
Der Erhalt alter Baumbestände ist einer Verjüngung vorzuziehen
Kritisch äußerte sich Hermann Holste, zweiter Vorsitzender im Landesverband des BUND Saarland, zur Stadtplanungspolitik in Saarbrücken. Außerhalb der Stadt sei der Baumbestand zwar gut, aber im innerstädtischen Bereich sehe er große Mängel: die Stadtbäume seien häufig krank oder beschädigt. Für Bäume bestünden in Saarbrücken mangelhafte Umweltbedingungen, sie seien durch die Bebauung zu stark eingeengt und dadurch in ihrem Wachstum und Gedeihen behindert.
Baumfällungen seien häufig nur notwendig, weil Versäumnisse in der Baumpflege vorangegangen seien. Holste plädierte daher energisch für eine bessere und nachhaltigere Grünpflege in Saarbrücken, denn der Erhalt alter, mächtiger Bäume sei einer Verjüngung des Bestandes in jedem Fall vorzuziehen.
Klaus Borger, Diplomforstwirt und Assessor des Forstdienstes Merzig, hob als Schlussredner noch einmal die Bedeutung geschlossener Waldflächen hervor und plädierte für einen Ausbau des Stadtwaldes. Dazu konnte er beeindruckende Informationen liefern: Bäume filtern bis zu 99% des Feinstaubs aus der Luft und reichern die Luft mit gesundheitsfördernden ätherischen Ölen an. Eine 100jährige Buche produziert jährlich ca. 3 Millionen Liter Sauerstoff – das ist der Verbrauch von 10 Menschen – und ein Hektar Wald entnimmt der Luft im gleichen Zeitraum 7 Tonnen CO2. Im Zusammenhang mit dem Stadtwald bilden Stadtbäume an Straßen, Plätzen und in Parks damit ein effektives System zur Regulation extremer Klimaschwankungen und mildern die Folgen der zu erwartenden Erderwärmung im urbanen Umfeld deutlich ab.
Stadtmitte am Fluß – Verbraucher sollen sich einmischen
Kritisch und besorgt wurden die Planungen zur „Stadtmitte am Fluss“ angesprochen. Hier wird befürchtet, dass es zu einem massiven Verlust oder einer inakzeptablen Verjüngung des Baumbestands kommen könnte, der einen alten Baumbestand, wie oben angedeutet, nicht ansatzweise ersetzen kann. Es bleibt zu hoffen, dass die in den Vorträgen verdeutlichte immense Bedeutung des Stadtbaumes für die zukünftige Abmilderung von Klimaextremen dazu führen wird, dass auf allen Ebenen in den betreffenden Fachbereichen entsprechende Maßnahmen ergriffen und umgesetzt werden. Nicht zuletzt und darüber hinaus ist aber immer auch der einzelne Verbraucher angesprochen, sich einzumischen und zu engagieren. Dass dies ausdrücklich erwünscht ist und sehr wirkungsvoll sein kann, wurde von allen Beteiligten bestätigt.
[1] GaLaBau 10+11 / 07, S.40.
Stand: 28.08.2009
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Materialien zum Download
Stadtbäume für ein gutes Klima (pdf 2,6 MB)


