Bio-Lebensmittel
Biokarotte schlägt Hochleistungsmöhre
Fürs Klima ist Ökogemüse günstiger als konventionelle Ware
Wer sich für Biokartoffeln oder -karotten entscheidet, verhält sich klimafreundlich, denn diese verursachen etwa 15 bis 20 Prozent weniger CO2-Äquivalente. Das liegt vor allem daran, dass Biobauern auf mineralischen Stickstoffdünger und weitgehend auf Pestizide verzichten. Außerdem ackern sie so schonend, dass viel Kohlenstoff im Boden gebunden wird. Der Vergleich von tierischen Lebensmitteln ist dagegen weniger eindeutig.
Stickstoff ist der Motor des Pflanzenwachstums: Ohne den kann kein Radieschen, keine Erdbeerstaude und kein Weizenhalm gedeihen. Es gibt allerdings unterschiedliche Möglichkeiten, Getreide und Gemüse ausreichend mit Stickstoff zu versorgen.
Biobauern setzen neben organischem Dünger wie Mist, Gülle und Pfanzenkompost auf genannte Gründüngung. Hierzu gehören zum Beispiel Leguminosen wie etwa Klee. An den Wurzelknöllchen dieser Pflanzen fühlen sich Bakterien sehr wohl, die Stickstoff aus der Luft aufnehmen und binden können. Deshalb werden Gründünger extra ausgesät und wenn sie groß sind, untergepflügt. Die Philosophie der Biobauern: Die Fruchtbarkeit des Bodens auf natürliche Weise erhöhen - dann ernährt er die Pflanzen optimal.
Die konventionelle Landwirtschaft setzt als Nahrung für das angebaute Gemüse oder Getreide überwiegend Stickstoffdünger ein. Diese werden ebenso wie die Pestizide auf der Basis von fossilen Rohstoffen wie Erdöl oder Erdgas hergestellt. Vor allem dadurch haben sie eine sehr schlechte Klimabilanz: Um ein Kilogramm chemisch-synthetischen Stickstoffdünger herzustellen, braucht man etwa einen Liter Erdöl. [1]
Lachgas ist schädlich für das Klima
Doch nicht nur die Herstellung, sondern auch die Anwendung von mineralischem Stickstoffdünger belastet das Klima schwer - vor allem, wenn er zum falschen Zeitpunkt oder in zu großer Menge ausgebracht wird. Können die Pflanzen die Nährstoffe nicht vollständig aufnehmen, entsteht Lachgas - das besonders schädlich für das Klima ist, denn Lachgas ist etwa 300 Mal klimawirksamer als Kohlendioxid. Übrigens entsteht beim Einsatz von Mist oder Gülle Methangas, das 20 bis 30 Mal klimawirksamer als CO2 ist. Deshalb kommt es in jedem Fall darauf an, dass die Landwirte nur so viel Dünger auf die Felder ausbringen, wie die Pflanzen auch tatsächlich verwerten können.
Böden sind gute CO2-Speicher
Doch noch aus einem anderen Grund ist die biologische Landwirtschaft klimafreundlicher als die konventionelle Erzeugung von Obst, Gemüse und Getreide. Biobauern sorgen durch eine abwechslungsreiche Fruchtfolge und schonende Bearbeitungsmethoden wie Mulchen und geringere Pflugtiefe dafür, dass im Boden möglichst viel Leben ist. Dadurch entsteht mehr Humus - und der kann Kohlendioxid langfristig speichern.
Dennoch ist auch der Anbau von Biolebensmitteln mit der Entstehung von CO2 verbunden. Schließlich muss der Bauer das Feld pflügen und die Ernte einbringen - und auch sein Trecker verbrennt Treibstoff. Rechnet man noch den Transport zum Laden hinzu, so verursacht frisches Biogemüse und -obst zwischen 15 und 20 Prozent weniger Kohlendioxid als konventionelle Ware. [2]
Das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) kommt beim Weizen sogar zu noch günstigeren Zahlen für die Bioproduktion: Der hiesige Anbau von Bio-Weizen erspart pro Kilo rund 60 Prozent der Treibhausgase gegenüber konventionellem Weizen. [3]
Forscher streiten über Klimabilanzen von Tierprodukten
Während bei pflanzlichen Lebensmitteln „Bio“ ganz eindeutig besser abschneidet, was die Klimabelastung angeht, so sind sich die Wissenschaftler bei tierischen Lebensmitteln in diesem Punkt nicht einig.
Das Ökoinstitut [4] und das IÖW [5] sehen die Bioproduktion auch bei Rind- und Schweinefleisch, Eiern und Milch um ein paar Tiernasenlängen besser, was die Emission von Klimagasen angeht. Das liegt vor allem daran, dass konventionelle Tiere konventionelles Futter bekommen - und das wird mit viel mineralischem Stickstoffdünger hergestellt. Das IÖW hat in seine Kalkulation darüber hinaus einbezogen, dass insbesondere Soja aus Übersee importiert wird - und dort viele Hektar Regenwald für den Futteranbau vernichtet wurden. Dieser pauschale Ansatz des IÖW muss jedoch relativiert werden, da nicht der gesamte Sojaanbaus in (ehemaligen) Regenwaldregionen stattfindet.
Andere Forscher sind skeptisch, ob „Bio“ auch bei tierischen Lebensmitteln klimamäßig besser abschneidet. Schließlich gibt eine konventionelle Kuh mehr Milch als ihre Biokollegin. Im Vergleich mit der konventionellen Milchproduktion sind für die gleiche Menge Biomilch mehr Kühe notwendig oder anders gesagt, die Klimabelastung pro Liter Milch einer Bio-Kuh ist wegen ihrer geringeren Milchleistung höher als bei der Milch einer konventionellen Kuh.
Auch aufs Futter kommt es an
Auch Fleisch von Biotieren schneidet bei einigen Autoren im Vergleich schlechter ab: Beim Rindersteak nur wenig, beim Huhn und Schwein sogar deutlich. [6] Ursache ist auch hier, dass sich Biotiere viel mehr bewegen und nicht auf Höchstleistung getrimmt sind, so dass sie langsamer an Gewicht zulegen und folglich mehr Futter benötigen, um die gleiche Menge Fleisch zu liefern.
Sowohl für die meisten konventionellen Bauern als auch für Öko-Landwirte gibt es einige Möglichkeiten, Klimagase zu verringern. Je nachdem, wie sie Gülle und Mist lagern und auf die Felder ausbringen, entweichen mehr oder weniger große Mengen Treibhausgase. Auch die Futterzusammensetzung hat Einfluss darauf, wie viel Kühe rülpsen und pupsen. Doch egal ob konventionell oder biologisch erzeugt: Tierische Lebensmittel belasten das Klima um ein Vielfaches mehr als pflanzliche Nahrung.
[1] Sven Schubert, Pflanzenernährung, Stuttgart 2006, S. 200
[2] Link zu PDF "Treibhausemissionen durch Lebensmittel", S. 5
[3] Link zu PDF "Klimawirkungen der Landwirtschaft", S. 61
[4] Link zu PDF "Treibhausemissionen durch Lebensmittel", S. 5
[5] Link zu PDF "Klimawirkungen der Landwirtschaft"
[6] Link zu PDF "Klimaauswirkungen von Lebensmitteln"
und Link zu PDF "CO2-Belastung durch Lebensmittel"
In fachlicher Zusammenarbeit mit Ernährungsexperten der Verbraucherzentralen, gefördert vom BMELV
Stand: 14.08.2009
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Materialien zum Download
Das Ökoinstitut vergleicht die Klimafolgen verschiedener Wirtschaftsweisen vom Acker bis zum Teller (Langfassung) (pdf 559 KB) Das Ökoinstitut vergleicht die Klimafolgen verschiedener Wirtschaftsweisen vom Acker bis zum Teller (Kurzfassung) (pdf 242 KB) Das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) vergleicht Weizen-, Milch-, Rind- und Schweinefleischproduktion in der konventionellen und Biolandwirtschaft unter Klimaaspekten (pdf 869 KB) Literaturstudie zu internationalen Forschungsergebnissen zum Thema Klimaauswirkungen verschiedener landwirtschaftlicher Produktionsweisen (pdf 201 KB)



