Unverhüllte Klimafreude
Je weniger Verpackung, desto besser
Aufwändige Verpackungen sind für viele Verbraucher ein Ärgernis. Für das Klima können sie zu einer echten Belastung werden. Selbst wenn die einzelne Tüte oder Plastikschale im Vergleich zum Inhalt meist weniger Treibhausgase verursacht - die Masse macht‘s. Bei Verpackungen lässt sich viel überflüssiges CO2 einsparen.
Die Milchkanne, mit der unsere Urgroßeltern zum Laden gingen, ist ausgestorben. Vieles gibt es heute nur noch verpackt. Aus Umwelt- und Klimaschutzgründen sollte man darauf achten, dass nicht alles doppelt und dreifach verhüllt ist.
Lieber lose Ware kaufen
Bei Obst und Gemüse haben es die Verbraucher selbst in der Hand. Wer die Lebensmittel lose in seiner Tasche nach Hause transportiert, verursacht in punkto Verpackung null Gramm CO2. Dünne Folienbeutel oder Papiertüten verursachen ebenfalls weniger CO2-Emissionen als Plastikschalen, in denen fertig abgepacktes Obst verkauft wird. Eine Papiertüte für ein Kilo Frischgemüse oder -obst verursacht etwa 11 Gramm CO2-Äquivalent, eine Plastikschale etwa 26 Gramm [1] - was immerhin ca. 17 Prozent der Gesamtemissionen für Gemüse bedeutet. [2]
Bei Konserven sollte der Verbraucher lieber zur Dose greifen. Die Weißblechverpackung belastet das Klima pro Kilo Inhalt mit 107 Gramm CO2-Äquivalent. Ein Einwegglas schlägt mit fast dem Doppelten (194 Gramm Klimagase) zu Buche. [3] Auch wenn sie ordnungsgemäß im Glascontainer landen, schlucken Herstellung und Recycling unnötig viel Energie.
Mehrweg ist der beste Weg
Nicht nur bei Getränken sollte man - wo immer möglich - Mehrwegsysteme bevorzugen. Dabei muss man aufmerksam sein: Dass ein Pfand fällig wird bedeutet heutzutage nämlich nicht mehr automatisch, dass die Flaschen wiederbefüllt werden. Im Gegenteil: Ein immer größerer Anteil der Pfandflaschen wird inzwischen nach der Rückgabe sofort zerquetscht.
Das Heidelberger Ifeu-Institut [4] hat für verschiedene Mineralwasserflaschen Ökobilanzen aufgestellt. Die 1,5-Liter-PET-Einwegflaschen schneiden besonders schlecht ab. Für ihre Herstellung wird nicht nur laufend frisches Rohmaterial aus Erdöl benutzt. Sie legen auch wesentlich weitere Transportwege zurück als die Mehrwegflaschen der Mineralbrunnen, weil es für sie nur wenige Großabfüllstationen in Deutschland gibt. Dagegen können die Mehrweg-Perlflaschen an 181 Standorten neu befüllt werden.
So ist ein Schluck aus der PET-Einwegflasche, die 1,5 Liter fasst, etwa doppelt so klimabelastend wie der aus einer PET-Mehrwegpulle mit einem Liter Inhalt. Etwas schlechter schneiden Glasflaschen ab, weil sie deutlich schwerer sind als Plastikverpackungen und außerdem weniger 0,7-Liter-Flaschen in einen Lkw passen.
Meiden sollte man Getränkedosen: Pro Liter Inhalt belastet die Alu-Dose das Klima mit 211 Gramm CO2, die Weißblechdose sogar mit 365 Gramm. [5]
Eine Ausnahme von der Mehrwegregel stellt der Milchschlauch aus Polyethylen dar: Er ist so leicht, dass er in der Ökobilanz geringfügig vor der wiederbefüllbaren Milchflasche liegt. Leider bieten nur wenige Supermärkte den Beutel an.
Recycling bessert die Klimabilanz auf
Nicht alle Einweg-Verpackungen sind also gleich schlecht: Getränkekartons schneiden in Ökobilanzen häufig ähnlich gut ab wie Mehrwegflaschen - vorausgesetzt, sie werden recycelt. Die Karton-Hersteller werben daher oft lautstark mit der Umweltfreundlichkeit ihrer Produkte. Allerdings können Verbraucher über das weitere Schicksal eines Tetrapaks nicht sicher sein, während sie mit dem Griff zur Mehrwegflasche auf jeden Fall richtig liegen.
Für alle nicht vermeidbaren Einweg-Verpackungen gilt: Recycling bessert die Klimabilanz auf. Einweggläser gehören deshalb keinesfalls in den normalen Hausmüll, sondern in Altglascontainer, Dosen und Plastikbecher in den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne.
[1] Berechnet nach Daten des Freiburger Öko-Instituts, S. 39
Basisdaten aus Öko-Institut - Arbeitspapier, S. 5
[3] Siehe ebd.
[4] unter Genossenschaft Deutscher Brunnen kann die Studie bestellt werden
Stand: 14.08.2009
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Weiterführende Links
Genossenschaft Deutscher Brunnen Ökobilanz von Glas- und PET-Mehrwegflaschen im Vergleich des Heidelberger Ifeu-Instituts Deutschen Umwelthilfe Hintergrundinfos der Deutschen Umwelthilfe zum Thema Verpackungsrecycling Umweltbundesamt Aktuelle Studie des Umweltbundesamts zu Aufkommen und Verwertung von Verpackungsabfällen


