Parlamentarier an runden Tischen, Rechte: Ingo Heine

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Verbraucherparlament: Experiment gelungen!

Wie das erste deutsche Verbraucherparlament zum Thema klimaverträgliche Mobilität beriet

"Wir werden ein Experiment starten" beginnt Gerd Billen, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands, seine Grußworte an die 150 Parlamentarier, die aus ganz Deutschland nach Berlin gekommen sind. Sie sitzen jeweils zu zehnt an runden Tischen und sehen gar nicht aus wie Parlamentarier - statt dunkler Anzüge tragen sie Freizeithemden und bunte T-Shirts.

Das allerdings mag auch der großen Hitze an diesem Tag geschuldet sein, 30 Grad sollen es werden in Berlin. "Machen Sie uns klüger," fordert Billen die Parlamentarier auf, "helfen Sie uns, die Themen zu finden!"

Wer wird Fußball-Weltmeister?

10 Uhr, Start der Arbeitsphase und zunächst ein Testlauf: Die "Frau von der Technik", wie sich Sofie Geisel selbst nennt, verweist auf die TED-Geräte,  die jeder an seinem Platz vorfindet, "diese Dinger, die wie Taschenrechner aussehen und die Sie sicher von 'Wetten dass' kennen."

Erster Probelauf. Die Frage lautet: Wer wird Fußballweltmeister? "Tischmoderation bitte F5 drücken - die Zeit läuft" - ein Hinweis an die Tischmoderatoren, die jeder Runde zugeteilt sind und die anstelle eines TED-Geräts einen Laptop vor sich haben, in dem sie alles mitprotokollieren sollen.

Lebhafte Diskussion. Der Geräuschpegel steigt. An Tisch 9 - Lebenswelt Arbeit - ist man sich einig: Deutschland! Also tippt die Tischmoderatorin "Deutschland" in ihr Gerät, das dies Information an das zentrale Regieteam überträgt. Dann heißt es abstimmen. Auf einer Projektionsfläche hinter der Bühne werden zehn Länder mit Nummern aufgelistet, die an der heute beginnenden WM teilnehmen.

Jetzt heisst es abstimmen und die Nummer des favorisierten Landes auf dem TED-Gerät drücken. Los! Auf der Projektionsfläche werden 10 Sekunden runtergezählt, noch 9 Sekunden, 8 Sekunden ...- Stopp. Das Ergebnis erscheint an der Wand und ist eindeutig: alle tippen ausnahmslos auf Deutschland.

TED-Gerät; Rechte: Ingo Heine

"Hier in der Regie kommt schon ganz viel an"

Es folgen mehrere Testläufe, so dass alle Teilnehmer Zeit haben, sich mit dem Verfahren vertraut zu machen. Dann wird es ernst. Die erste Frage: "Was ist aus meiner Sicht besonders wichtig fürs Klima?" Kurzes Überlegen. "Der LKW-Verkehr ist besonders schädlich"; "Die Ineffizienz, mit der wir uns fortbewegen, wenn wir zum Beispiel im Stau hängen"; "Ich habe keine Alternative zum PKW" gesteht ein Teilnehmer im mittleren Alter, der aus Dinkesbühl angereist ist.

Die Moderatorin schreibt alles mit und sendet die Infos an das Regieteam. Die Atmosphäre ist freundlich, niemand wird unterbrochen. "Wartezeiten und Umsteigezeiten im ÖPNV", "Das Steuerrecht begünstigt Vielfahrer" ...

"Noch zehn Minuten", so die Anweisung des Moderators Dirk Scheffler. "Hier in der Regie kommt schon ganz viel an". Inzwischen diskutieren die Parlamentarier von Tisch 9 darüber, dass die Busse auf dem Land meistens leer sind. "Da macht es doch keinen Sinn, die aufrechtzuerhalten. Wir brauchen andere Lösungen", überlegt der junge Parlamentarier aus dem mittelfränkischen Roth Auf dem Bildschirm der Moderatorin erscheint ein Hinweis: "Diese Runde ist beendet." 30-minütige Kaffeepause.

Nach einer Stunde schon 1.000 Aussagen

Während die Parlamentarier sich mit Kaffee stärken, kommen die Redakteure in der Regie ins Schwitzen. Redakteurin 1 ist zuständig für die Lebenswelt Arbeit und fasst die Statements von vier Tischen zusammen, das bedeutet Dopplungen sichten, sortieren, ausformulieren. Ihre Kollegen bearbeiten die Bereiche Alltag, Freizeit und Urlaub und haben ähnlich viel zu tun.

Um halb werden alle zurück an die Tische gerufen. Tisch 5 - Lebenswelt Freizeit.
Moderator Scheffler bittet alle, sich der Bühne zuzuwenden. Denn wieder wird abgestimmt, diesmal ernst. "Wir haben an die 1.000 Aussagen von Ihnen erhalten" resummiert er und verweist auf die erste, an die Wand projizierte Auflistung.

Dort sind die zehn wichtigsten Themen zum Bereich Arbeit zu sehen, die die Regie unter allen eingehenden Aussagen ausgemacht hat. "Was ist davon für den Klimaschutz am wichtigsten?" fragt Scheffler und bittet alle, mit dem TED-Gerät die Nummer der favorisierten Aussage zu wählen.

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