Verbraucherzentrale Saarland
Nachbetrachtung zum "globalisierungskritischen Stadtrundgang" in Saarbrücken
Am 17. Februar fand in Saarbrücken unter Beteiligung von Netzwerk Entwicklungspolitik Saarland (NES), Attac Saar, Saarbrücker Weltladen und der Verbraucherzentrale Saarland im Rahmen des Projektes „Global, regional, lokal – EGAL – Hauptsache vernetzt!“ unter Regie der Europäischen Akademie Otzenhausen ein „globalisierungskritischer Stadtrundgang“ statt.
Bereits am 14.2. waren Schüler aus Rumänien, Italien, Finnland und Deutschland in Otzenhausen eingetroffen, um am Projekt „Global, regional, lokal – EGAL – Hauptsache vernetzt!“ teilzunehmen. Am Ende des Seminars erhielten die Teilnehmer ein Youthpass Zertifikat, in dem die während des Projektes erworbene Lernerfahrung beschrieben und ausgewertet wird. Zum „globalisierungskritischen Stadtrundgang“ trafen sich in diesem Rahmen Schüler und Experten am 17.2. um 10:00 Uhr zunächst im großen Saal der Arbeitskammer in Saarbrücken, um in gemeinsamer Diskussion einige Grundlagen zu erarbeiten: wie verteilt sich die Weltbevölkerung? Wie sind Reichtum, Energieverbrauch und Zugang zu Informationen auf dem Globus verteilt?
Danach wurden die Jugendlichen in vier Gruppen aufgeteilt, die jeweils vier themenbezogen ausgewählte Stationen in Saarbrücken besuchten. Themen der Anlaufpunkte waren: Kleidung und Textilien (Harald Kreutzer und Ulrike Dausend, NES), das Handy (Petra Stein, Attac-Saar), Kaffee und Kakao (Birgit Ohligschläger und Peter Weichardt, Saarbrücker Weltladen) und Mobilität (Theresia Weimar-Ehl, Klimaprojekt der Verbraucherzentrale des Saarland).
Die Sache mit dem Handy
So wurde den interessierten Jugendlichen beispielsweise in der Innenstadt von Saarbrücken vor einem Handygeschäft der Zusammenhang zwischen unserer Mobiltelefonkultur und den Rohstoffkriegen in Afrika nahegebracht. Nahezu jeder Jugendliche besitzt heute schon mehrere Handys, während zumeist nur eines in Benutzung ist. Für die elektronischen Bauteile von Mobiltelefonen werden aber wertvolle und seltene Rohstoffe verwendet, darunter etwa Coltan, das beinahe nur in Zentralafrika zu finden ist und um das dort ein jahrelanger Bürgerkrieg entbrannt ist. In gemeinsamer Diskussion wurden nach Petra Steins Vortrag Ideen gesammelt, wie diesem Umstand auf ganz persönlichem Niveau begegnet werden kann. Dabei wurde festgestellt, dass es die Möglichkeit der Rückgabe des Althandys – und damit eine Wiederverwertung der Rohstoffe – gibt, was jedoch nur wenig bekannt ist und noch weniger genutzt wird. Eine ganz einfache und praktische Möglichkeit, der globalen Rohstoffverschwendung entgegenzuwirken.
Mobil - aber auch nachhaltig?
An anderer Stelle, nämlich im Hauptbahnhof Saarbrücken, erläuterte Theresia Weimar-Ehl Möglichkeiten eines verantwortungsbewussten Mobilitätsverhaltens. Dabei wurde ganz handfest mit praktischen Beispielen und Experimenten ermittelt, wie es üblicherweise um die Mobilität unserer Gesellschaft bestellt ist. Mit rot-weißen Absperrbändern, die über den Boden der Bahnhofshalle verlegt wurden, konnte beispielsweise gezeigt werden, welche Beförderungswege – Straße, Bahn, Fluglinie – am besten ausgebaut sind und die längste Gesamtbeförderungsentfernung bieten. Zum Erstaunen der Jugendlichen gelang hier dem Bahnverkehr ein Sieg um Längen. Mit einem anderen Experiment konnte außerdem ermittelt werden, wie viel Energie es benötigt, um alltägliche Systeme nutzen zu können: mit einem Fahrrad samt Dynamo und einem daran angeschlossenen Transistorradio durften einige der Anwesenden feststellen, wie mühsam man strampeln muss, damit das Rundfunkgerät läuft. Die letztendliche Erkenntnis aus diesem Modul lautete, dass die sinnvolle Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel in viel mehr Fällen als oftmals vermutet, zu einer deutlichen Energieersparnis und CO2-Verminderung führen kann. Diesen Gedanken werden die jungen Teilnehmer mit auf ihren (Lebens-)Weg nehmen.
Fair und gerecht
Über die Themen „Kleidung und Textilien“ sowie „Kaffee und Kakao“ konnten die Teilnehmer des Stadtrundgangs etwas über die Produktions- und Lebensbedingungen in der Dritten Welt lernen und sich die Frage stellen, inwiefern wir unseren Wohlstand der wirtschaftlichen Ausbeutung der ärmsten Länder verdanken. Afrika, Asien und Südamerika gehören zu den rohstoffreichsten Kontinenten mit der ärmsten Bevölkerung. Die Jugendlichen wurden sehr anschaulich für den Gedanken sensibilisiert, etwa durch Unterstützung des fairen Handels, wenigsten einen Teil der Profite wieder in die Ursprungsländer zurückfließen zu lassen und damit für ein wenig mehr Gerechtigkeit „von unten“ zu sorgen.
Über diese praktische Arbeit vor Ort sollten die Teilnehmer in die Lage versetzt werden, ein eigenständiges, nachhaltiges Projekt zu verwirklichen. Durch die Arbeit in Kleingruppen wird Teamfähigkeit erlernt. Durch den ausgewogenen Methodenmix werden die Teilnehmer angeregt, für die Lösung von realitätsnahen Problematiken Kooperations- und Bündnispartner zu finden und mit diesen zusammenzuarbeiten.
Der Einfluss und nicht nur die Einbeziehung der Teilnehmer auf die Projektentscheidungen soll sichergestellt werden, da der Beteiligungsprozess gleichermaßen Lerneffekt wie auch Resultat ist.
Partizipatorische Ansätze helfen überdies dabei Verhaltensprinzipien hervorzuheben indem sie jungen Menschen dabei helfen, die Rolle des Multiplikators zu übernehmen, ihre eigene Analyse zu ermöglichen, selbstkritisches Bewusstsein zu entwickeln sowie Ideen und Informationen miteinander zu teilen.
Der Tag wurde durch ein gemeinsames Abendessen in Saarbrücken beendet und wurde von allen Beteiligten als guter Erfolg, wertvolle Erfahrung und großer Spaß bewertet.


