Gute Fahrradparkplätze oft Mangelware
Marktcheck Fahrradabstellanlagen an Bahnhöfen: Verbraucher geben Note 4 für Sicherheit bei Abstellanlagen
Die Fahrradabstellanlagen an Bahnhöfen lassen oft zu wünschen übrig. Das fand eine Untersuchung der Verbraucherzentralen im Rahmen der Verbraucherallianz "fürs klima" an 361 Bahnhöfen in 13 Bundesländern heraus . Auch die Verbraucher üben Kritik. In Sachen Sicherheit erhielten die Abstellanlagen in Bahnhöfen im Schnitt die Note 4.
Tester der Verbraucherzentralen prüften, wie viele Fahrradabstellplätze an den Bahnhöfen vorhanden sind und wie die Fahrräder dort angeschlossen werden können. Ferner baten die Tester 865 Verbraucher, die jeweilige Anlage zu bewerten. Im Saarland wurden 32 Bahnhöfe geprüft und 55 Personen befragt.
Das ernüchternde Ergebnis im Saarland: Ein knappes Drittel der Bahnhöfe bietet den Radfahrern keine Gelegenheit ihr Rad abzustellen. Der Bundesdurchschnitt von Bahnhöfen ohne Abstellplätze liegt im Vergleich dazu bei etwa nur einem Zehntel.
Bei fast der Hälfte der Abstellplätze stehen die Saarländer beim Abstellen ihrer Räder bei fehlendem Tageslicht im Dunkeln, denn 43% der Stellplätze sind nicht beleuchtet. Über die Hälfte der abgestellten Räder werden bei schlechtem Wetter im wahrsten Sinne des Wortes außerdem im Regen stehen gelassen, denn 61% der Stellplätze sind nicht überdacht.
Abschließbare Fahrradboxen fanden sich nur am Hauptbahnhof in Saarbrücken, das sind saarlandweit 4% der untersuchten Stellplätze.
84% Prozent aller im Saarland untersuchten Stellplätze wiesen immerhin sogenannte Anlehnbügel auf, bei denen Räder und Rahmen an einen im Boden verankerten Bügel angeschlossen werden können, bundesweit sind es 75%. Als ungeeignet stuften die Tester die noch verbreiteten Vorderradhalter ein. Diese „Felgenkiller“ bieten dem Fahrrad wenig Halt, bei einem Fall verbiegen sich schnell die Felgen, der Rahmen kann leicht gestohlen werden.
Von allen untersuchten Bahnhöfen ist der Saarbrücker Hauptbahnhof mit 124 Stellplätzen und 15 abschließbaren Fahrradboxen am besten ausgestattet. Leider finden sich aber kaum Hinweise und Informationen zu diesem guten Angebot.
Zu wenig Stellplätze und verschmutzte Anlagen
Den Testern fielen viele verschmutzte Anlagen auf. Häufig fanden sie auch kaputte oder aufgegebene Fahrräder. Solche "Fahrradleichen" versperren Abstellplätze und vermitteln den Eindruck mangelnder Sicherheit. Im Saarland wurde festgestellt, dass an den Bahnhöfen, die vor kurzem renoviert wurden, die Fahrradabstellanlagen in einem sehr guten Zustand sind (allerdings leider nur teilweise überdacht oder beleuchtet), an den anderen Bahnhöfen hingegen größtenteils verrostet, überwuchert und ungepflegt.
Die 865 bundesweit befragten Personen waren von der Sicherheit der meisten Abstellanlagen nicht überzeugt. Im Schnitt vergaben sie dafür die Schulnote 4, bei Eignung und Anzahl kamen die Anlagen bei den Verbrauchern auf die Schulnote 3.
Viele der Befragten gaben auch an, nur alte und entbehrliche Fahrräder zu parken und berichteten, dass ihr Rad schon einmal am Bahnhof beschädigt oder gestohlen wurde. Jeder dritte befragte Saarländer sprach die Themen Sicherheit und Vandalismus an. Der Zustand einiger Bahnhöfe erweckt einen sehr verwahrlosten Zustand, dort möchten die Verbraucher ihre Räder nicht gern abstellen. „Die Leute haben einfach Angst, dass sie ihr Fahrrad abends beschädigt oder gar nicht mehr vorfinden.“, erklärt Angelika Baumgardt von der Verbraucherzentrale des Saarlandes. Beschwerden gab es vor allem über den Zustand und die unzureichende Beleuchtung der Abstellplätze. Es wurde häufig geäußert, dass Überwachungskameras oder Fahrradparkhäuser wesentlich mehr Sicherheit bieten würden.
Fast alle Bundesländer verfügen über Vorzeigeanlagen, die alle Wünsche an Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit erfüllen. Es fehlt allerdings an ausreichend ausgestatteten Anlagen in der Fläche. Die Erfahrung zeigt, dass vielerorts der Aus- oder Neubau von Fahrradparkplätzen leider vom Kompetenzwirrwarr zwischen Kommunen und Verkehrsträgern gebremst wird. Sichere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder an den Bahnhöfen könnten aber dafür sorgen, dass mehr Menschen vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen. Die Kombination von Rad und Bahn wirkt sich nicht nur positiv auf Umwelt und Klima aus, sondern auch auf die eigene Fitness.
Fazit für das Saarland:
Ein knappes Drittel der getesteten Bahnhöfe verfügt über keinerlei Fahrradabstellanlagen. Beim VCD-Bahnhofstest 2008, bei dem 75 Bahnhöfe untersucht wurden, wurden sogar bei über der Hälfte der Bahnhöfe keine Fahrradabstellanlagen vorgefunden. An 5 Bahnhöfen wurden zwischenzeitlich Abstellanlagen installiert. „Das zeigt, dass es sich lohnt, Missstände aufzudecken und offen zu legen.“, argumentiert Baumgardt. Erstaunlich und sehr positiv ist der sehr hohe Anteil der Fahrradständer mit Anlehnbügeln. In Punkto Wetterschutz und Beleuchtung gibt es Nachholbedarf. Eine Beleuchtung aller Stellplätze würde sicherlich auch Diebstahl und Vandalismus erschweren. Wie die Befragungen zeigten, sorgen sich die meisten Verbraucher vor allem um die Sicherheit ihrer Fahrräder. „Gute und sichere Fahrradabstellplätze an unseren Bahnhöfen würden die Nutzung des Fahrrades und ergänzend auch die Nutzung moderner Elektrofahrräder in Kombination mit der Bahn als ökologische Mobilitätsvariante deutlich unterstützen.“, resümiert Jürgen Zimper, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale des Saarlandes.
Stand: 29.10.2010


