„Nicht Hals über Kopf losfahren“ – Was Moped- und Rollerfahrer beachten sollten
Interview mit Uwe Strobel, Fahrsicherheitstrainer
Mopeds oder kleine Roller mit 50 Kubik sind sparsam, wendig und praktisch im Stadtverkehr. Gute Gründe, um vom Pkw auf einen Motorroller umzusteigen, zumal viele Autofahrer mit der "alten" Führerscheinklasse automatisch die Fahrerlaubnis dafür besitzen. Ein Gespräch mit Uwe Strobel, Fahrlehrer und Motorradtrainer im ADAC-Sicherheitszentrum Berlin Brandenburg.
Welchen Tipp haben Sie für „Umsteiger“?
Umsteiger sollten sich fachlichen Rat holen und nicht einfach Hals über Kopf losfahren. Ein Fahrtraining ist ja keine große Investition. Wenn ein Anfänger mit dem Roller umkippt, weil er nicht geübt ist, dann ist die Reparatur teurer als ein Fahrtraining, mal ganz abgesehen von der eigenen Sicherheit.
Woran denken Sie da?
Die Kraftstoffersparnis ist ein Grund, auf ein Kleinkraftrad umzusteigen und das schnelle Durchkommen in der Stadt ebenso eine Motivation. Aber viele interpretieren das falsch und schlängeln sich rechts und links an den Autos vorbei. Die Zweiräder sind oft nicht zu hören und werden auch deshalb schnell übersehen – das ist vielen nicht bewusst.
Uwe Strobel, Fahrlehrer und Fahrsicherheitstrainer beim ADAC
Dürfen Fahrer von Kleinkrafträdern denn rechts oder links an stehenden Autos vorbeifahren, zum Beispiel in Staus oder an Ampeln?
Nein das darf man nicht, auch wenn man es oft sieht. Die Einzigen, die vorsichtig rechts vorbei dürfen, wenn genügend Platz vorhanden ist sind Radfahrer. Die Gefahr bei solchen Fahrmanövern übersehen zu werden und einen Unfall zu verursachen ist sehr groß!
Darf man sein Kleinkraftrad auch auf dem Gehweg parken?
Auf dem Gehweg darf nur dann geparkt werden, wenn Verkehrszeichen das gestatten. In vielen Fällen wird das Abstellen von motorisierten Zweirrädern geduldet, daraus ergibt sich aber kein Gewohnheitsrecht.
In welchen Situationen sollten Roller- oder Mopedfahrer denn besonders aufpassen?
Da gibt es ein Portfolio von typischen Situationen. Zum einen bergen Kreuzungen das Risiko, dass der Autofahrer den Kleinkraftradfahrer übersieht oder die Geschwindigkeit unterschätzt. Das zweite Stichwort ist Linksabbiegen - entweder der Autofahrer, der links abbiegen möchte und den entgegenkommenden Kleinkraftradfahrer zu spät sieht oder der linksabbiegende Kleinkraftradfahrer, der vom geradeausfahrenden Autofahrer übersehen wird. Und drittens sollten Zweiradfahrer aufpassen, wenn ein Autofahrer wendet, zum Beispiel beim Ausscheren aus einer parallel zur Straße verlaufenden Parklücke. Darüber hinaus können alle Bremssituationen schwierig werden.
Spielt die vergleichsweise geringe Höchstgeschwindigkeit eine Rolle?
Im Jahr 2010 stuft man 45 Stundenkilometer als geringe Geschwindigkeit ein, aber schon bei 20 oder 30 Stundenkilometer können Stürze tödlich enden. Überlegen Sie einmal: bei 50 Stundenkilometern legt man pro Sekunde 13,88 Meter zurück. Das birgt die meisten Probleme, denn ein Kleinkraftrad beschleunigt sehr gut.
Was sollten Kleinkraftradfahrer im alltäglichen Verkehr beachten?
Kleinkraftradfahrer haben eine sehr schmale Silhouette und sind schlecht zu sehen. Deshalb ist helle Kleidung sehr wichtig. Ich empfehle Handschuhe und eine reißfeste Hose, am besten mit Protektoren. Es gibt immer wieder Fälle, bei denen die Fahrer Brüche erleiden, auch offene, oft wegen ungenügender Kleidung. Vielfach sind die Wunden dann unrein und bereiten noch lange Probleme.
Das ist ein Appell, sich darüber Gedanken zu machen. Viele steigen einfach zu blauäugig auf ein Zweirad. Kleinkrafträder sind nicht schwer zu fahren, aber man braucht Grundlagen und muss sensibilisiert werden. Dann kann das eine tolle Sache sein!
Tipp
Der ADAC bietet regelmäßig ganztägige Motorrad-Trainingskurse an, an denen auch Fahrer von Kleinkrafträdern teilnehmen können. Da die Teilnehmerzahl auf maximal zehn bis zwölf Personen pro Gruppe begrenzt ist, können die Trainer auf die Wünsche jedes Einzelnen eingehen. Kurse in Ihrer Nähe sowie weitere Infos erhalten Sie unter www1.adac.de/fahrsicherheitstraining.
Auch viele Fahrschulen haben Kleinkrafträder in ihrem Fuhrpark und bieten Übungsstunden an. Für eine Fahrstunde (45 Minuten) sind etwa 28 bis 30 Euro zu veranschlagen.
Stand: 13.09.2010
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Weiterführende Links
Motorroller als Alternative zum Auto? Wissenswertes rund ums Kleinkraftrad


