Wiedereinführung der Dose

Seit Juni ist die Getränkedose wieder im Sortiment der Discounter Mit einer noch nie dagewesenen Gratisaktion wirbt Coca Cola für ihre neuen 0,25L Getränkedosen. Vielfalt ist das Zauberwort des Konzerns, Umsatz sagen die Anderen: nicht zu Unrecht, denn vier der Viertel-Liter-Dosen kosten rund das Doppelte als die 1L Mehrwegflasche.

Um eine „Spardose“ handelt es sich augenscheinlich nicht und auch in puncto Energie und Umwelt wird die Dose nicht dem Gerecht, was die Do-senindustrie dem Verbraucher suggerieren möchte. Die Rede ist von Nachhaltigkeit, hohen Recyclingquoten, einem geringen Gewicht und einer materialoptimierten Produktion: Noch nie war die Dose so „grün“. Sie wird sogar auf eine Stufe mit den Mehrwegverpackungen gestellt.

„Es handelt sich hier um einen klaren Fall von Greenwashing. Die Argumente der Dosenindustrie sind völlig aus dem Kontext gegriffen und zeigen nur das, was gezeigt werden soll.“, so Sebastian Windischmann von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein.

Die Getränkedosen bestehen aus Weißblech und Aluminium. Im Amazonasregenwald in Brasilien liegt die größte Eisenerzlagerstätte der Erde. Neben China ist Brasilien der weltweit größte Produzent von Eisenerz. Darüber hinaus liegt Brasilien was den Bauxitabbau (ein Rohstoff zur Aluminium-Gewinnung) anbelangt weltweit auf Rang drei. Um an die Rohstoffe zu gelangen müssen riesige Flächen Regenwald vernichtet werden. Die Stahlproduktion und die Gewinnung von Rohalumnium ist somit extrem umweltschädlich und sehr energieintensiv. Für eine Tonne Rohaluminium werden 14.000 Kilowattstunden Strom benötigt. Das führt zum Bau von Wasserkraftwerken, Aufstauen von Flüssen, Anlegen von Stauseen und Zerstörung der heimischen Flora und Fauna.

Ein weiteres Problem stellt die Rücklaufquote der Einwegverpackungen dar. Laut Handelsblatt sind die Getränkedosen für die Discounter bare Münze: Denn viele der Einwegverpackungen werden nicht zurückgebracht und landen mit dem Hausmüll auf Mülldeponien, wobei das Pfandgeld von den Discountern, ca. 12 Millionen Euro, eingestrichen wird.
Vor der Einführung des Pflichtpfands 2003, war Deutschland mit rund 8 Milliarden verkauften Dosen jährlich, einer der wichtigsten Märkte in Europa. An die goldenen Zeiten wollen die Discounter anscheinend wieder anknüpfen, und werden dabei von der Industrie tatkräftig unterstützt.

Die Dosenindustrie hat beim Institut für Energie- und Umwelforschung (IFEU) ein Gutachten in Auftrag gegeben. Aus diesem Gutachten wird nun bruchstückhaft zitiert, um den Verbraucher glauben zu lassen, die Dose hätte eine Ökobilanz, die mit der von Mehrwegflaschen zu vergleichen sei.   

In der Studie des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg, aus der die Dosenindustrie partiell ihre Argumente ableitet, heißt es jedoch, dass bei gleichen Flaschenvolumina die Glas-Mehrwegflaschen den Einwegverpackungen ökologisch überlegen sind, vorausgesetzt: Der Transport von Abfüllern zum Handel erfolgt regional und nicht quer durch die Republik. Bei sehr großen Transportwegen gleichen sich die Ökobilanzen von Dosen und Mehrwegflaschen jedoch zunehmend an.

Wer also etwas für seine Region und das Klima tun möchte, macht einen Bogen um die Büchse und löscht seinen Durst mit Getränken aus umweltfreundlichen Mehrwegflaschen.

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