Performance Hack

Hermann Josef Hack nach getaner Arbeit: Die Leipziger Bosestraße zeigt die Klimabilanzen von Nahrungsmitteln.

 

Wir essen den Klimawandel auf

Aktionskünstler Hack präsentiert auf klima.tag der Verbraucherzentrale Sachsen eine Performance zu Klimawandel und Ernährung

Was Ernährung mit Klimawandel zu tun hat, zeigte eine Performance des Aktionskünstlers Hermann Josef Hack in Leipzig. In den Hauptrollen: Schlemmkreide, Biertische und jede Menge Frühlingssuppe.

Seine gelben Westen sind mittlerweile eine Art Markenzeichen geworden. Egal wo - wenn Hermann Josef Hack sich in seine Plastikweste schmeißt, dann heißt es: Jetzt wird dem Klimawandel künstlerisch auf die Pelle gerückt. Je mehr Öffentlichkeit, desto besser, heißt es dann für den 53jährigen, der einst bei niemand geringerem als Joseph Beuys sein künstlerisches Handwerk gelernt hat.

Ein Beuys-Schüler probt die Klima-Intervention

In Leipzig präsentierte er seine Arbeit anlässlich des klima.tags von Verbraucherzentrale Sachsen und Centraltheater. Auf dem Boden knieend schrieb er mit abwaschbarer Farbe aus Schlemmkreide Dinge wie „Rindfleisch 13.300“ oder „Äpfel 550“ auf den Asphalt. An einem Tisch saßen die Gäste und konnten es sich bei Musik von Händel und Bach sowie einem Teller frischer Frühlingssuppe so richtig gut gehen lassen. Und auch dem Klima ist mit solch einem Essen geholfen. Denn die Suppe war vegetarisch, regional, saisonal und komplett bio.  

Jedes Lebensmittel hat seine Zahl …

Die kryptischen Zahlen, die der Künstler ellipsenförmig um die Tafel anordnete, zeigten die CO2-Bilanz ausgewählter Nahrungsmittel. Die Zahlen machten klar, warum das Marmeladenbrötchen dem Wurstbelag zumindest aus Klimagründen vorzuziehen ist. In die Berechnungen fließen sowohl die Emissionen für Transport- und Lagerung als auch die für die Produktion ein. Besonders Fleisch schneidet deshalb schlecht ab, denn auch das Futter für die Tiere fließt in die Bilanz mit ein. Und wenn für die Sojawiesen sogar Regenwald gerodet wird, dann sieht es noch düsterer aus.

Klimawandel in die Herzen der Menschen tragen

Aber es ging Hack weniger darum, das Fleisch zu verdammen als über die sehr schmackhafte Frühlingssuppe zu zeigen, dass man durchaus auch klimabewusst genießen kannt. „Ich möchte das Thema Klimawandel in die Herzen der Menschen tragen“, erläutert der Künstler dabei seinen Anspruch an die Kunst und sein Handeln.

Dies ist auch der Ansatz seines „Global Brainstorming Project“. Aktuelle Aktion: Das Klimaflüchtlingscamp, das bereits in Dresden, Weimar, Berlin, Bonn und vielen anderen Städten zu sehen war. Damit möchte er auf die Problematik der Klimaflüchtlinge aufmerksam machen. Bis zu 200 Millionen können es nach aktuellen Berechnungen werden.

Klimaschutz mit Kunst, Kultur und guter Laune

Beim klima.tag von Verbraucherzentrale und Centraltheater standen denn auch die Verbindung von Kunst, Kultur und Klimawandel im Vordergrund. Schauspieler des bekannten Berliner GRIPS-Kinder- und Jugendtheaters zeigten Szenen aus dem von der UNESCO ausgezeichneten Stück „Prima Klima“.

Das Leipziger Umwelttheater zeigte mit „Mandy, die Ratte und das verlorene Dorf“ den alltäglichen Müllwahnsinn auf und die Gruppe Spruchlandung bot Improvisationen zu Klimathemen. Dazu gab es Capoeira- und Sambagruppen, inhaltliche Workshops und eine Podiumsdiskussion zur Zukunft der Mobilität. Natürlich konnten sich die Verbraucher auch an zahlreichen Ständen der Verbraucherzentrale und anderer Organisationen über Klimathemen informieren.

Zahlen blieben haften

Und als am Abend nach der Aufführung der Klimarevue „Alle reden vom Wetter“ des Kabarettisten Rainald Grebe die Zuschauer wieder aus dem Theater auf die Straße traten, warfen viele noch einmal einen Blick auf die Hackschen Zahlen. Noch Tage später waren sie dort zu sehen, bis ein warmer Sommerregen sie fortwusch.

Stand: 14.08.2009

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