Kartoffelernte; Rechte: istockphoto

 

Wir verfrühstücken unser Klima

Knapp ein Fünftel der klimaschädlichen Gase in Deutschland sind auf unsere Ernährung zurückzuführen

Dass der Klimawandel die Herstellung von Nahrungsmitteln beeinträchtigt, ist seit langem bekannt: Wüsten breiten sich aus, wertvoller Boden wird überflutet und weggeschwemmt. Wenig beachtet wurde dagegen bis vor kurzem die umgekehrte Frage: Inwieweit belastet die Produktion und Zubereitung von Lebensmitteln das Klima?

Auch die Produktion und Zubereitung von Nahrungsmitteln heizen das Treibhaus Erde kräftig an. Nach Schätzungen sind in Deutschland 16 bis 20 Prozent der klimaschädlichen Gase  auf unsere Ernährung zurückzuführen. [1]

Noch in ihrem Ende 2007 verabschiedeten „Integrierten Energie- und Klimaprogramm“ [2] erwähnt die Bundesregierung das Problem mit keinem Wort. Dabei hatte eine Studie der Welternährungsorganisation (FAO) viele Fachleute bereits ein Jahr zuvor aufgeschreckt. Vor allem die Fleischproduktion identifizierte sie als Klimakiller. Gegenwärtig sei die Viehhaltung weltweit für 18 Prozent der klimaschädlichen Gase verantwortlich [3], schrieb die UNO-Organisation. Den viel beachteten Verkehr machte sie dagegen für nur 14 Prozent der Klimabelastung verantwortlich.

Greenpeace errechnete sogar noch erschreckendere Zahlen: Bezieht man mit ein, dass die Düngerherstellung sehr klimaschädlich ist und viele Wälder gerodet werden, um Platz für neue Felder zu schaffen, könnte sogar ein knappes Drittel der Treibhausgase auf Ernährung zurückgehen. [4] Zwar kamen der internationale Klimarat IPCC [5] und der ehemalige Weltbank-Chefökonom Nicholas Stern [6]  zu etwas günstigeren Zahlen. Doch klar ist: Was wir essen und wie wir es zubereiten, hat einen großen Einfluss auf den Klimawandel.

Wir haben die Wahl

Was wir heute in den Einkaufskorb packen, ist nur noch selten eine Frage des saisonalen heimischen Angebots: Fast alles ist überall und jederzeit verfügbar. Ob Erdbeeren im Winter oder Äpfel im Frühjahr - wer einen Supermarkt betritt kann die Jahreszeit nicht mehr erkennen. Denn Lebensmittel, die momentan in Deutschland keine Saison haben, werden einfach aus anderen Regionen der Welt in unsere Ladenregale geholt. Krabben aus der Tiefsee, Butter aus Irland, Joghurt vom anderen Ende der Republik oder Biofleisch gehören inzwischen fast überall zum Sortiment. Und wo die Kundschaft kräftig zugreift, wird sofort Nachschub geordert. Konsumenten können also über ihr Kaufverhalten Einfluss auf das Angebot nehmen.

Tierischer Aufwand

Wer sich für einen Ernährungsstil mit wenig tierischen Produkten entscheidet, leistet damit den weitaus wirkungsvollsten Beitrag zum Klimaschutz im Bereich Ernährung. Denn Fleisch, Käse, Milch und Eier sind in hohem Maße mit dem Ausstoß klimaschädigender Gase verbunden. Das liegt zum einen daran, dass im Verdauungssystem von Kühen und anderen Wiederkäuern bei der Verdauung von Gras klimaschädliches Methan freigesetzt wird. Zum anderen gehen bei der Umwandlung von Futter in tierische Produkte 60 bis 95 Prozent der eingesetzten Kalorien verloren. [7]

Pflanzliche Lebensmittel

Pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse, Obst und Getreideprodukte verursachen deutlich weniger klimaschädliche Gase als Fleisch- und  Milchprodukte. Ernährungswissenschaftler empfehlen seit langem Speisepläne, die überwiegend aus pflanzlichen Lebensmitteln bestehen. Die traditionelle Mittelmeerküche ist ein Paradebeispiel für gesunde und klimaschonende Ernährung.

Optimal: Kurze Wege und richtige Jahreszeit

Besonders vorteilhaft ist es, wenn pflanzliche Nahrungsmittel aus der Region stammen: Ihr Weg bis in den Laden war kurz. Der Trend zeigt jedoch genau in die andere Richtung: In den vergangenen 20 Jahren hat sich die zurückgelegte Kilometerzahl der Nahrungsmittel verdoppelt. [8] 

Regional ist allerdings nur dann unschlagbar klimafreundlich, wenn die Produkte in ihrer Saison angeboten werden. Viel ungünstiger fürs Klima ist es, wenn Gemüse vor seiner natürlichen Zeit auf den Markt kommt. Dann ist es in Treibhäusern groß geworden, die je nach Sorte und Standort beheizt werden müssen. Damit ist es dann vorbei mit der Klimafreundlichkeit. Denn Gemüse aus dem Treibhaus belastet das Klima bis zu 30 Mal stärker als das aus dem Freiland. [9]

Wer also Bescheid weiß, wann eine Obst- oder Gemüsesorte in der eigenen Gegend reif wird und seinen Einkauf danach ausrichtet, erspart dem Klima viele Emissionen -  und bereitet sich selbst ein genussvolles Geschmackserlebnis.

Weiterer Pluspunkt für Bioprodukte

Im Vergleich zu konventionell hergestellten Lebensmitteln schonen gleichartige Bioprodukte das Klima - vor allem, weil Biobauern auf mineralischen Stickstoffdünger verzichten. Den zu produzieren ist zum einen sehr energieaufwändig. Zum anderen besteht die Gefahr, dass die Pflanzen die aufs Feld gestreuten Nährstoffe nicht vollständig aufnehmen können. Dann entsteht Lachgas, ein besonders klimaschädliches Treibhausgas.

Verarbeitung: je weniger, desto besser

Ein wichtiger Faktor für den klimagerechten Einkauf ist auch der Verarbeitungsgrad der Lebensmittel. Tendenziell gilt: Je geringer verarbeitet, desto klimafreundlicher. Denn viele Verarbeitungsstufen und Zutaten bedeuten häufig auch viele Zwischentransporte. Außerdem kostet Vorkochen und insbesondere Einfrieren viel Energie: Obstkonserven und Tiefkühlgemüse verursachen rund drei Mal so viel Treibhausgase wie die frischen, unverarbeiteten Varianten. 

Auch Tiefkühl-Pommes oder -Kroketten schneiden in der Klimabilanz schlechter ab als z.B. Kartoffeln. Schließlich haben sie schon einige Verarbeitungsschritte hinter sich, bevor sie im Ladenregal landen.

Klimasünder in der Küche

Die Klimabilanz unserer Ernährung endet keineswegs an der Supermarktkasse. Im Gegenteil: Ein erheblicher Teil entscheidet sich erst danach. So macht es einen großen Unterschied, ob wir den Einkauf mit dem Fahrrad abtransportieren oder mit dem Auto vorfahren, um vielleicht nur die vorher vergessenen Eier einzuladen.

Wie kalt ist unser Kühlschrank, wie viel Lebensmittel landen im Müll? Wie klug ist die Auswahl des geeigneten Topfes? Wie machen wir den Abwasch? Bei alldem kann jeder das Klima schonen - oder es stark belasten.

In fachlicher Zusammenarbeit mit Ernährungsexperten der Verbraucherzentralen, gefördert vom BMELV

Stand: 14.08.2009

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